| Der Bayerische Wald
Überblick:
Das relativ stark bewaldete Mittelgebirge „Bayerischer Wald“ liegt im Osten
Bayerns an der Grenze zu Tschechien und Österreich. Zusammen mit dem
Oberpfälzer Wald und dem Fichtelgebirge bezeichnet man diese Gebirgszüge
auch als Ostbayerisches Grenzgebirge. Der Bayerische und der Böhmerwald
bilden zusammen mit dem südwestlich von Passau gelegenen Neuburger Wald den
zweitgrößten Naturraum in Niederbayern und Teilen der Oberpfalz. Der circa
120 km lange und 35 km breite Bayerische Wald beschreibt dabei den
südwestlichen Rand der Böhmischen Masse, der im Uhrzeigersinn durch
Oberpfälzer Wald, Erzgebirge und den Sudeten seine Fortsetzung findet. Er
wird im Norden von einer Senke zwischen den Städten Cham und Furth im Wald
begrenzt. Im Westen endet er beim Fluss Regen, im Süden an der Donau. Auf
seinem Kamm verläuft die Grenze zu Tschechien, im Südosten liegt die Grenze
zu Österreich.
Allgemein unterscheidet man
zwischen dem Vorderen und Hinteren Bayerischen Wald, wobei als Grenzlinie
das Regental anzusehen ist.
Entstehung und Formen:
Beim Bayerischen Wald handelt es sich um eine aus dem Karbon (frühes
Erdaltertum, ab ca. 500 Mill. Jahren) stammende Mittelgebirgslandschaft, die
in der Hauptsache aus Graniten und Gneisen besteht. Lange vor der Entstehung
der Alpen gab es hier vor etwa 300 Mill. Jahren ein Hoch- bzw.
Faltengebirge, dessen Entstehungsablauf dem der Alpen glich. Durch
Verwitterung und Abtragung während einer langen Periode wurde das Gebirge
während des späten Erdaltertums und des Erdmittelalters stark eingeebnet,
sodass schließlich nur noch eine gewellte Hochfläche übrig blieb. Dieser
Gebirgsrumpf wurde anschließend teilweise vom Meer überflutet.
In der Kreidezeit sowie zu
Beginn der Erdneuzeit, als die Hebung der Alpen begann, kam auch wieder
Bewegung in dieses eingeebnete Gebirge. Es zerbrach in so genannte
Bruchschollen, und an den Bruchlinien wurden Teile gehoben oder abgesenkt.
Einfach ausgedrückt: die gehobenen Teile sind die heutigen
Mittelgebirgserhebungen, die abgesenkten Teile nennt man im Allgemeinen
Grabenbrüche (vgl. Oberrheingraben). In eine der Bruchlinien des
Bayerischen Waldes drang Quarz ein. Dies ist ein sehr hartes Gestein. Im
Verlauf von Jahrtausenden ist das weichere Material neben der Quarzader
abgetragen worden. Der harte Gesteinswall, Pfahl genannt, überragt seine
Umgebung stellenweise um bis zu ca. 20 Meter. Bis auf wenige Lücken ist er
erhalten geblieben und zieht sich 150 km durch den nördlichen Bayerischen
Wald. Nördlich des Pfahles findet man in der Hauptsache Gneise, südlich
davon eher Granite und Magmatite. Recht markant ist im Bereich zwischen
Regensburg und Passau der Höhenunterschied zwischen der 300-350m hoch
gelegenen Donauebene und den höchsten Gipfeln des Vorwaldes, zum Beispiel
dem Einödriegel mit 1121 m: ca. 800m Höhendifferenz auf nur wenige Kilometer
Horizontalentfernung. Die Trennlinie zwischen dem Tertiärhügelland und dem
Bayerischen Wald wird durch den Donaurandbruch verursacht, einer
geologischen Linie zwischen dem abgesunkenen und unter quartären
Überlagerungen des Molassebeckens gelegenen kristallinem Grundgebirge und
dem nordwestlich dieser Linie noch sichtbaren Teil, der dem Bayerischen Wald
zugehörig ist.
Aufgrund der Hebung des
Bayerischen Waldes, von der auch der Neuburger Wald betroffen war, kam es zu
einem antezedenten (man spricht von einer antezedenten Talbildung, wenn sich
ein bereits vorhandener Fluss langsam in ein aufsteigendes Gebirge so
einschneidet, dass die Tiefenerosion mit der Hebung zumindest Schritt hält)
Einschneiden der Flüsse Inn und Donau in diesen Bereich des kristallinen
Grundgebirges und somit zur Ausbildung einer engen Talzone ab Pleinting
Donau abwärts und südlich von Passau, wo sich der Inn ein tief
eingeschnittenes Bett geschaffen hat. Während der Vordere Bayerische Wald
nur in wenigen Gipfelregionen Höhen von über 1000m erreicht (z.B.
Brotjacklriegel 1016m, Einödriegel 1121 m, Vogelsang 1022m, Hirschenstein
1095m und Pröller 1048m), liegen die Gipfelregionen im Hinteren Bayerischen
Wald zum Teil über 1300 bis 1400m: Gr. Falkenstein 1312m, Dreisessel 1330m,
Lusen 1371m, Rachel 1453m, Gr. Arber 1456m.
Niederschläge
Deutlich steigen an den Rändern des Bayerischen Waldes bis zu den
Gipfellagen die durchschnittlichen Niederschlagsmengen aufgrund des
auftretenden Steigungsregens und vermehrter Gewitterneigung vor allem in den
Sommermonaten rasch an und erreichen in den Höhenlagen 1300 - 1400 mm im
Jahr. Im höher gelegenen Hinteren Bayerischen Wald sind die Niederschläge
mit etwa 1500-1600mm noch höher anzusetzen als im Vorderen.
Allgemein jedoch sind die
hier gemessenen Niederschlags-Werte aufgrund der östlicheren,
kontinentaleren Lage des Bayerischen Waldes niedriger als beispielsweise in
den vergleichbaren Regionen der Vogesen sowie des Schwarzwaldes. Wegen der
Leelage des Regentales sind hier wiederum geringere Werte als an der
Südwestseite des Vorderen Bayerischen Waldes zu verzeichnen. Ein weiterer
Grund ist die Streichrichtung des Gebirges, die nur selten zu echtem
Steigungsniederschlag mit senkrecht zum Gebirgszug verlaufenden
Windrichtungen führt. Während die Donauebene und das Tertiärhügelland
relativ wenige Tage mit Schneedecken aufweisen, ist der Bayerische Wald
wegen seines Schneereichtums bekannt. Bedingt durch die Stauniederschläge
und der relativ hohen Lage des Mittelgebirges und letztlich auch aufgrund
der kontinentaleren Ostlage ist in den Kammlagen des Vorderen Waldes mit bis
zu 120 Tagen und im Hinteren Wald mit bis zu 180 Tagen Schneedecke zu
rechnen. Je nach Winter kann die Schneehöhe bis über 200cm betragen. Der Einflussbereich des
Alpenföhns reicht oft bis an den Donaulauf und den Bayerischen Wald heran.
Besonders an Tagen mit starkem Föhn ist deshalb von den Bergen des
Bayerischen Waldes die Kette der Alpen zu erkennen.
Eiszeit:
Vor allem der Hintere Bayerische Wald hatte während der Eiszeit seine
eigenen Vereisungen. Diese Regionen waren während der Eiszeiten von Schnee-
und Eisfeldern bedeckt, die auch ihre Spuren hinterlassen haben. Hier waren
auf den ausgedehnten Hochflächen ebensolche Verfirnungen als lange
Gletscherzungen anzutreffen. Die Mächtigkeit des Gletschereises auf 1050m
Höhe lag bei etwa 125m. Dort, wo sich die Gletscher einen Weg ins Tal
bahnten, trifft man noch heute auf glazial bedingte Formen, wie Kare,
Karoide, Karseen und Moränenwälle.
Ein Gletscherende lag zum
Beispiel in der Nähe des großen Arbersees auf ca. 850m Höhe, das Zungenende
des nördlich ausgerichteten Gletschers hinab zum kleinen Arbersee bei ca.
830m Höhe. Demnach gab es einen deutlichen Höhenunterschied von über 600m
von den Gipfelregionen bis zu den Endmoränen. Weitere Gletscherzungen
flossen vom Großen Rachel herab. Auch hier gibt es Kare und Karoide, die auf
die eiszeitliche Vergletscherung schließen lassen. In der jüngsten
erdgeschichtlichen Vergangenheit hat es im Bayerischen Wald bisher
mindestens sechs Eiszeiten gegeben, die nur von einigen zehntausend Jahren
Warmzeit unterbrochen waren. Einige Wissenschaftler glauben, dass die
heutige Zeit auch nur eine kurze Warmphase sei, und dass sich das Klima in
Mitteleuropa irgendwann wieder abkühlen wird. In einiger Zeit könnte deshalb
zB. ein Findling Gesellschaft bekommen. Doch Genaueres muss erst erforscht
werden.
Nachgewiesen ist jedoch,
dass die vorerst letzte Vereisungsphase im Bayerischen Wald vor gut 10000
Jahren zu Ende ging. Damals war der gesamte innere Bayerische Wald von einem
dicken Eispanzer bedeckt, der eine Mächtigkeit von mindestens 100 m
aufgewiesen haben muss. Nur der Gipfel des Lusen schaute im Sommer aus
dieser Eiswüste heraus. Die Gletscher haben dabei die Landschaft gestaltet.
Neben den Findlingen gibt es noch weitere Zeugen der Eiszeit im Bayerischen
Wald: So zum Beispiel der Große und der Kleine Arbersee oder der Rachelsee.
Auch sie sind durch die Kraft des Gletschers entstanden. Wenn Eismassen von
einem steilen Berghang herabfließen und auf eine ebene Stelle treffen,
entsteht ein Kar. Man kann sich diese Form wie eine Pfanne mit steilen
Seitenwänden und einem flachen Boden vorstellen. Der Gletscher muss seine
Fließrichtung ändern. Dabei wird ein Loch, die so genannte Karmulde,
ausgeschürft. Füllt sich diese Karmulde anschließend mit Wasser, so entsteht
ein Karsee. Häufig findet sich hinter diesem See eine Karwand, die vom
Gletscher glatt gehobelt wurde. Vor dem Kar wurden Moränen aufgeschüttet.
So, wie Findlinge vor der Gletscherstirn zurückgelassen wurden, erging es
auch Millionen anderer Steine und Sandkörner. Dort stapelten sich im Laufe
der Jahrtausende Sand und Steinbrocken ganz unterschiedlicher Größe. Damit
entstanden genau an den ehemaligen Grenzen der Gletschervorstöße, dort wo
also die Kraft des Eises geendet hatte, Wälle aus Geröll, oftmals
girlandenartig angeordnet. Bei Tauwetter sammelte sich
oftmals das Wasser des schmelzenden Eises hinter den Moränenwällen. Hier
konnte sich im Laufe der Zeit ein See aufstauen. Dieser Seetyp wird
Endmoränensee genannt. Vereinen sich ein Karsee und ein Endmoränensee, so
spricht man von einem Kar-Endmoränensee. So sind der große Arbersee und der
Rachelsee Kar-Endmoränen- Seen; der kleine Arbersee ist ausschließlich durch
den Aufstau des Wassers vor einer Endmoräne entstanden, bildet also einen
Karsee. (vgl. entsprechende Skizzen)
Ein Findling erzählt
„Zur Eiszeit ich auf Gletschers Rücken // bis hierher glitt und voll
Entzücken // an dieser Stelle Ruhe fand // als unter mir das Eis
verschwand.“ Hallo, ich bin ein Findling und befinde mich im Reschwassertal
an der Ostgrenze des Nationalparks Bayerischer Wald. Ich liege hier seit
vielen, vielen tausend Jahren, seitdem mich Gletschereis von meiner
eigentlichen Heimat abgeholt und bis hier hin verfrachtet hat. Eigentlich
bin ich ja schon viel älter als jene zwanzigtausend Jahre, vor denen mich
das Eis hier abgesetzt hat. Nein, ich habe schon einige Millionen Jährchen
auf dem Buckel. Entstanden bin ich aus heißen Magma des Erdinneren, aber das
ist eine andere Geschichte.
Ich möchte Euch erzählen,
wie es damals war mit der Eiszeit. Vor mehr als zwei Millionen Jahren wurde
es innerhalb einer kurzen Zeitspanne merklich kälter. Zuvor - Geologen
nennen dieses Erdzeitalter das „Tertiär“ - hatten wir hier ein
tropisch-heisses Klima, aber dann war es vorbei mit der schönen Wärme.
Selbst im Sommer stieg das Thermometer nicht mehr über 10 Grad. Und es
schneite und schneite. Die Schneemassen türmten sich auf den Bergen, und die
Schneeflocken, die ganz unten lagen, stöhnten regelrecht unter dem Gewicht,
das sie zu tragen hatten. Die Luft darin verflüchtigte sich bereits, weil
ihr das Gewicht zu viel wurde. Allmählich verwandelte sich der Schnee in
Eis. Der Druck des immer noch wachsenden Schneeberges war so groß, dass das
Eis am Boden ganz langsam abzufließen begann. Und so schob sich der
Gletscher ins Tal hinab. Allerdings kam er nicht allzu weit. Nur für etwa
drei bis vier Kilometer Wegstrecke reichte es, ehe der Gletscher zum
Stillstand kam. Nun ja, eigentlich steht ein Gletscher ja gar nicht still,
sondern das ständig nach fließende Eis taut an der Gletscherstirn langsam
ab, so dass sich vor dem Gletscher große Schmelzwasserströme bilden. Dabei
passierte dann etwas, was die Glaziologen - das sind die Menschen, die sich
wissenschaftlich mit Gletschern und Eiszeit beschäftigen - was diese
Glaziologen als „Förderbandeffekt“ bezeichnen. Denn ähnlich wie bei einem
Förderband werden Steine und Schutt, die sich auf oder im Gletscher
befinden, durch das permanent nach fließende Eis nach unten transportiert.
Wie die Steine auf dem Gletscher gekommen sind? Nun, sie sind einfach von
den steilen Berggipfeln auf den Gletscher gefallen und vom fließenden Eis
mitgenommen worden. So bin auch ich eines Tages
auf den Gletscher gefallen. Meine Güte, war das kalt auf diesem Eiskoloss.
Ich weiß gar nicht, wie lange ich auf dem Rücken des Gletschers gelegen
habe. Es werden wohl einige Jahrzehnte gewesen sein. Jedenfalls bin ich
eines Tages hier an dieser Stelle, wo ich mich noch heute befinde, auf den
Erdboden gesunken, als das Eis ringsherum um mich weg geschmolzen war. Hier
liege ich nun und warte auf Gesellschaft. Vielleicht bringt ja die nächste
Eiszeit eine Weggefährtin, aber das wird sicherlich noch einige Zeit dauern.
Vielleicht muss unser Freund, der Findling, gar nicht so lange warten, bis
die nächste Eiszeit kommt.
Attraktionen:
Im Bereich des Inneren Bayerischen Waldes liegt zwischen Lusen und dem
Großen Falkenstein das Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald, des
ältesten Nationalparks in Deutschland (1970 gegründet). Der Tourismus hat im
Bayerischen Wald einen hohen Stellenwert. Es gibt beispielsweise viele
kleinere Skigebiete. Und der Slogan „Ferien auf dem Bauernhof“ erreicht
weite Teile der Bevölkerung. Ein zusätzlicher Magnet ist die weit über die
Grenzen Bayerns hinaus bekannte Glasbläserkunst. (Genaueres siehe später)
Granit
Nüchtern erdwissenschaftlich betrachtet ist Granit erkaltetes Magma. Dieses
entsteht im glutheißen Erdmantel und steigt entlang von Schwächestellen in
der Erdkruste auf. Das Eindringen von Schmelzen in das Nebengestein wird als
Intrusion bezeichnet. Das Magma erreicht jedoch meist nicht die
Erdoberfläche, sondern erstarrt noch im Erdinneren. Dabei bilden sich so
genannte Granitkörper.
Granit besteht aus
verschiedenen Mineralen, die im Erdinneren auskristallisiert sind. Der
wichtigste Merksatz, der jedem Geologiestudenten im ersten Semester gelehrt
wird, lautet: „Feldspat, Quarz und Glimmer, dies vergess' ich nimmer.“ Damit
sind die drei Hauptbestandteile des Granit auch schon genannt. Daneben
enthält Granit noch einige andere Färbungen. Die einzelnen Mineralkörner
sind so grobkörnig, dass man sie mit bloßem Auge unterscheiden kann. Granit besitzt wichtige
wirtschaftliche Bedeutung, denn er findet als Werkstein vielseitige
Einsatzgebiete: Aus Granit werden Straßenpflaster und Grenzsteine, Brunnen
und Futter- tröge, Fensterbretter oder sogar ganze Grundmauern für Gebäude
gefertigt. Alle diese Gegenstände haben eines gemeinsam: Sie sind aus
würfel- oder quaderförmigen Granit-Stücken hergestellt. Diese würfelförmige
Spaltbarkeit von Granit ist eigentlich einfach zu erklären: Wenn heißes
Magma abkühlt, verringert sich das Volumen der Gesteinsmasse. Vereinfacht
gesagt: das langsam fest werdende Gestein zieht sich zusammen. Dabei bilden
sich im Granitkörper feine Risse und Klüfte, die in Mitteleuropa aufgrund
der dort vorherrschenden Bruchzonen in drei Richtung annähernd senkrecht
aufeinander stehen, eben wie bei einem Würfel. Pflastersteine stellen somit
ein ideales Abbild der drei häufigsten Kluftrichtungen im Granit dar.
Die sprichwörtliche Härte
von Granit ist sicherlich jedem bekannt. Aber auch Steine sind vergänglich.
Der „Zahn der Zeit“ kann auch den widerspenstigsten Härtling aufarbeiten.
Granit verwittert in die unterschiedlichsten Formen, die das Landschaftsbild
des Bayerischen Waldes entscheidend geprägt haben. Die typischste und
zugleich auch spektakulärste Verwitterungsform von Granitfelsen tritt in
Form von „Wollsäcken“ auf. Diese Bezeichnung heißt so wegen der Ähnlichkeit
zu übereinander gestapelten, mit Wolle gefüllten Säcken. Entscheidend für die
Wollsackverwitterung ist das oben schon erwähnte rechtwinkelig aufeinander
stehende Kluftsystem. Entlang dieser Risse kann Wasser eindringen und
Minerale aus dem Gestein herauslösen. Besonders anfällig für die
Verwitterung sind die Ecken und Kanten des Gesteines, die als Erste
„abgelöst“ werden. Es kommt zur allmählichen Abrundung der Blöcke. Der so
abgelöste Verwitterungsschutt, der Granitgrus, wird vom Regen ausgewaschen.
Die zurückbleibenden, stark abgerundeten Blöcke bleiben lange Zeit noch zu
Türmen aufgestapelt stehen. Aber auch sie werden von der Verwitterung
abgetragen. Eines Tages fallen sie in sich zusammen und bilden Blockmeere.
Diese sind auf zahlreichen Berggipfeln im Bayerischen Wald anzutreffen, etwa
auf dem Lusen. (siehe Bild)
Dort, wo die Erosion
besonders stark ausgeprägt war, ist das gesamte ehemals so massige Gestein
zu Sand zerfallen. In den zahlreichen Sandgruben des Bayerischen Waldes wird
dieser Verwitterungsschutt als Baustoff abgebaut. Da das nordostbayerische
Grundgebirge mit dem Bayerischen Wald zu den größten Verbreitungsgebieten
von Granit in Deutschland gehört, haben die Einheimischen seit jeher mit
diesen Steinen zu tun gehabt. Jahrhunderte lang bis zum heutigen Tage
mussten auf Feldern und Wiesen Steine geklaubt werden. Diese Lesesteine
wurden zu Wällen entlang der Flurgrenzen verwendet oder dienten für den Bau
von Kirchen oder Burgen. Mit der Zeit kam Granit als Baustein immer mehr in
Mode. Die ursprünglich weit verbreiteten oberflächennahen Felsen oder
Blockfluren waren schnell verbraucht. Daher mussten Steinbrüche erschlossen
werden, die heute das Bild der Granitgebiete im Bayerischen Wald prägen.
Insbesondere nach der Anbindung des Bayerischen Waldes an das überregionale
Eisenbahnnetz konnte der steigenden Nachfrage u.a. nach Werk- und
Straßenbausteinen entsprochen werden. Granit aus dem Bayerischen Wald findet
sich beispielsweise wieder in Teilen des Schlosses Charlottenburg in Berlin,
in der Ruhmeshalle bei Regensburg oder in Gebäuden der Universität München.

Aus einem Schulbuch:
Merkmale des Granits:
Erstarrungsgestein, das in einigen Kilometern Tiefe unter der Erdoberfläche
erkaltete. Typisch sind körniger Aufbau und verschiedene Farben.
Mineralien: Feldspat: weiß oder rötlich;
Quarz: grau bis farblos;
Glimmer: schwarz glänzend bis silbrig.
Vorkommen: Fichtelgebirge, Bayerischer Wald, Oberpfalz
Merkmale des Gneises:
Metamorphes Gestein, das in der Tiefe aus anderen Gesteinen entstand. Meist
matte helle und glänzende dunkle Lagen. Verschiedene Farben.
Mineralien: heller Feldspat und Quarz;
dunkler Glimmer
Vorkommen: Fichtelgebirge, Bayerischer Wald
Der Bayerische Pfahl - Drachenkamm im Bayerischen Wald
Der Bayerische Pfahl ist eines der auffälligsten geologischen Objekte
Bayerns. Wie eine bloßgelegte Wirbelsäule ragt er aus dem Erdboden heraus.
Als geradliniger Quarzgang-Zug erstreckt er sich über 150 km von Nabburg in
der Oberpfalz im Nordwesten bis nach Passau im Südosten durch das
nordostbayerische Grundgebirge und zieht sich anschließend durch das
oberösterreichische Mühlviertel bis kurz vor Linz.
Entstehung:
Angetrieben von langsamen
unterirdischen Konvektionsströmen verändern im Laufe von Jahrmillionen sogar
Kontinente ihre Lage. Sie bewegen sich als Teil riesiger Erdkrustenplatten
aufeinander zu oder driften auseinander. Im Laufe der Erdgeschichte kam es
dadurch immer wieder zu Kollisionen großer Kontinente. Unter ihrem
gewaltigen Druck wurden dabei kilometerdicke Gesteinsschichten
zusammengepresst, übereinander geschoben und zu Gebirgen wie den Alpen oder
dem Himalaya aufgetürmt. Im Steinkohlezeitalter (Karbon) vor mehr als 300
Millionen Jahren kam es im Bereich des heutigen Mitteleuropa zu einer
derartigen „Begegnung“ der Urkontinente von Nordamerika, Eurasien und
Afrika. Als Folge wurden, wie bekannt, von Spanien bis weit nach Osteuropa
neue Gebirge aufgefaltet, die in der Zwischenzeit durch anhaltende Erosion
zu den Mittelgebirgslandschaften abgeflacht wurden. In Deutschland zählen
dazu beispielsweise der Schwarzwald, der Harz, das Erzgebirge oder auch der
Bayerische Wald. Als übergeordneter Ausdruck wird für alle in damaliger Zeit
entstandenen Gebirge der griechische Ausdruck „Varisziden“ verwendet. Das
Zeitalter dieser Gebirgsentstehung heißt deshalb auch Variszische
Gebirgsbildungsphase. Das fast ausschließlich aus
Quarz bestehende Pfahlgestein bildete sich in mehreren Phasen. Zunächst
einmal wurde die bereits lange zuvor entstandene Gebirgsmasse des
Bayerischen- und Böhmerwaldes durch das Aufeinanderprallen der Kontinente,
also auch als Begleiterscheinung der Alpenbildung, in mehrere große Schollen
zerbrochen, die infolge starker seitlicher Einengung mehrfach gegeneinander
verschoben, verkippt und gehoben wurden. Als markanteste Bruchlinie, die
noch heute geologisch die Gebirgsschollen des Vorderen und Hinteren
Bayerischen Waldes trennt, wurde die „Pfahlstörung“ angelegt. Hier bewegten
sich wiederholt starre Bereiche der Erdkruste aneinander vorbei. Wie
zwischen zwei riesigen Mühlsteinen wurden die angrenzenden Gesteinspartien
in feinste Mineralkörner zerrieben und zusammengepresst.
Aus den ursprünglich
anstehenden Granit- und Gneisgesteinen entstanden so entlang der
Pfahlstörung ein relativ mürber Gesteinstyp: der Pfahlschiefer. Gleichzeitig
bildeten sich leicht schräg zu dieser geologischen Schwächezone
unterirdische Riss- und Kluftsysteme, in die in mehreren Schüben kochend
heiße Kieselsäurelösungen aus dem Erdinneren eindrangen. Beim Erkalten
dieser Lösungen kristallisierte der eigentliche Pfahlquarz aus. Nach vielen
Millionen Jahren der Verwitterung und Abtragung der angrenzenden, weicheren
Pfahlschiefer wurden die härteren Quarzzüge des Pfahl allmählich aus der
Umgebung herausmodelliert. Dort, wo sie dem Abbau nicht zum Opfer gefallen
sind, zieren sie noch heute als weithin sichtbare, leuchtend- weiße
„Felsenriffe“ die Landschaft.
Die Sage vom Pfahldrachen
Die Entstehung dieses eigenartigen Felsengebildes war lange Zeit ungeklärt.
In den volkskundlichen Überlieferungen wird der Pfahl wegen seines bizarren
Aussehens oftmals als Werk des Teufels, der unter den Felsen kristalline
Schätze verbirgt, als versteinerter Kamm eines gewaltigen, in der Erde
ruhenden Drachen oder als den - nach dem Untergang der alten Götter - zu
Stein zerschmolzenen Rest Wallhalls gesehen. Zahlreiche Sagen und Mythen
umragen den Pfahl, eine davon sei hier (stark gekürzt) wiedergegeben: In
früheren Zeiten war der Wald noch voller Zauber: Da ging noch der Rübezahl
um, da brauste im Sturm die wilde Jagd, und in der Unterwelt wohnte eine
wunderschöne und faszinierende Zauberin und versuchte immer wieder, törichte
Jäger in ihren ganz aus Kristall bestehenden Palast zu locken. An einem schönen
Sommerabend hatte sich ein junger Mann, der Junker von Bärndorf, im Schatten
eines Felsens zum Schlafe niedergelassen und hatte einen eigenartigen Traum.
Der Fels, an dem er lag, öffnete sich leise und hervor traf eine Frau von
wunderbarer Schönheit, verführerisch und geschmückt mit Gold und Juwelen.
Dem Schläfer war's, als neige sie ihr Haupt, das mit einem Krönlein aus
lauter Kristall geziert war, lieblich über ihn und lege ihre weiße Hand auf
sein Herz, also sprechend: „Ich bin die Königin im kristallenen Reiche, und
dort ist mein Palast!“ Dabei deutete sie zu der Öffnung im Fels, durch die
sich ein schimmernder Garten mit Blumen aus Edelgestein und mit Bäumen aus
Gold und Silber zeigte, in dessen Mitte ein hohes Schloss, aus glitzerndem
Kristall gebaut, stand. „Ich liebe dich“, sagte die Zauberin, „ich mache
dich zu meinem König, wenn Du Deinen schweren Erdenleib gegen den Leib eines
Geistes wechselst. Komme morgen in der Mittagsstunde an eben diesen Ort, und
wenn der spitze Schatten jener Tanne auf den moosigen Stein zielt, der ihr
zu Füßen liegt, dann schüre ein Feuer an und hebe den Stein auf. Du wirst
eine grüne Eidechse finden. Ergreife sie und rufe dreimal „Du Königin im
kristallinen Gestein, mach' mich ledig von Fleisch und Bein. Danach
schleudere den Wurm in die Flammen, dann wird sich der Fels öffnen und ich
komme, dich zur Hochzeit zu führen, die uns selig und ewig vereinigen soll.“
Der verblendete junge Mann
vergaß seine Braut Wolfindis. Die wartete an diesem Tage vergeblich auf den
Besuch des Bräutigams. Als aber ein entsandter Bote mit der Nachricht
zurückkam, der Junker sei ausgeritten, und niemand wisse wohin, und als die
Sonne bereits unterging, da erfasste plötzlich seltsame Angst Wolfindis’
Herz. Sie hielt es nicht mehr aus in der Burg. Zu Ross stürmte sie, von
einem treuen Knecht begleitet, in den nahe gelegenen Wald und kam
tatsächlich an den Ort, wo der Junker von Bärndorf sich höllischem Zauber
hingab. Schon hatte er den Zauberspruch zweimal vollendet, als ihn der
Angstschrei seiner Braut aus der Trance riss. In demselben Augenblick fuhr
mit Donnergroll ein Feuer durch den Wald, ein Schrei drang aus der Tiefe.
Die verführerische Zauberin lag glimmend als Schlange, ausgestreckt durch
den ganzen Wald. Zusammen geschmolzen lag der Palast der Teufelin, und in
zackiges Gestein verwandelt der Wirbelstrang ihres Zaubertiers, vom
Dreisesselberg herauf bis an die Grenze des Waldgebirges.
Der Pfahl verschwindet...
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann für den Pfahl eine lange, unruhige
Zeit: Der harte Quarz wurde seither als besonders tragfähiger Schotter für
den Straßenbau abgebaut. Zahlreiche Steinbrüche entstanden und viele
malerische Felspartien fielen dem Abbau zum Opfer. Heute sind nur mehr
wenige Quarzbrüche entlang des Pfahls in Betrieb. In diesen wird neben
Straßenbaumaterial bevorzugt reiner Quarz für die Herstellung von Silizium
gewonnen. Silizium wird vor allem im High-Tech-Bereich zur Herstellung von
Computerchips und Solarmodulen verwendet.
Leider vermag der Mensch in
kürzester Zeit, was die natürliche Erosion in Jahrmillionen nicht zuwege
gebracht hat. Der Pfahl ist ein einzigartiges geologisches Phänomen auf der
Erde. Sein heutiger Rest müsste unbedingt erhalten bleiben. Wird er
zerstört, fehlt uns ein Kapitel im Buch der Erdgeschichte.
Goldrausch im Alten Gebirge
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, einen Goldschatz zu finden und
dadurch reich zu werden. Unbekannte Schätze gibt es nur noch wenige,
natürliche Goldvorkommen dagegen doch relativ häufig. Die meisten Menschen
werden dabei jedoch eher an Kalifornien, den Yukon in Alaska oder die
Goldminen in Südafrika bzw. Brasilien denken. Höchstens das Rheingold ist
ihnen ein Begriff. Dass aber auch anderswo in Mitteleuropa Gold zu finden
ist, ist nahezu in Vergessenheit geraten. Auch der Bayerische Wald und seine
angrenzenden Gebiete in Böhmen und der Oberpfalz erlebten vor einigen
Jahrhunderten ihren Goldrausch, der heute noch in der Erinnerung erhalten
ist. Gold ist überall auf der
Welt vorhanden. Ob auf den Kontinenten, im Meer und in uns selbst. Die
Konzentrationen des Goldes ist jedoch recht unterschiedlich. Normalerweise
findet man Gold in der 16 km starken oberen Erdkruste mit einer
Konzentration von 0,005 g/to. Um nur 10 Gramm Gold zu gewinnen, müsste man
also im Durchschnitt 2000 Tonnen Gestein bewegen. An manchen Stellen der
Erde kommt Gold jedoch häufiger vor. Wie bereits erwähnt, wurde vor ca. 300
Millionen Jahren die kompakte Gesteinsmasse des bayerisch-böhmischen
Grundgebirges in Schollen zerbrochen. Die Spalten wurden von heißen Lösungen
aus dem Inneren der Erde ausgefüllt. Diese Spaltenfüllungen, Quarzgänge
genannt, enthalten das Gold in so hoher Konzentration, dass in Böhmen
bereits in der Bronzezeit mit einfachsten Gewinnungsmethoden erfolgreich
Gold gewonnen werden konnte. Der „Goldrausch“ im Bayerischen Wald und
Böhmerwald reichte bis in das Mittelalter hinein. In den darauf folgenden
Jahrhunderten verlor die Goldgewinnung immer mehr an wirtschaftlicher
Bedeutung und ist heute im einstigen Goldland Bayerischer Wald und
Böhmerwald völlig zum Erliegen gekommen.
Wenn Stollen in den Berg
getrieben wurden, konnte das im Quarzgestein „eingewachsene“ Gold direkt
abgebaut werden. Eine primäre Lagerstätte war erschlossen. Gold kann jedoch
auch in Form von Seifengold vorkommen. Der Begriff Seife ist aus dem
arabischen Wort „sife“ entstanden, das soviel wie „tropfendes Wasser“
bedeutet. Im Laufe der vergangenen Jahrmillionen nagte der Zahn der Zeit an
den Gold führenden Erzgängen. Durch Wind und Wetter verwittern die Gesteine
und die Goldkörner lösen sich dadurch aus ihrem ursprünglichen
Gesteinsverband. Vom Regen werden sie zusammen mit anderen Mineralkörnern in
Rinnsale gespült und landen schließlich in Bächen und Flüssen. Überall dort,
wo die Fließgeschwindigkeit des Wassers nachlässt, so zB. in engen
Flusskurven, lagern sich die schweren Goldkörner am Bachbett ab. Eine
sekundäre Lagerstätte hat sich gebildet. Nur in den allerseltensten Fällen
gelingt es jedoch, dort größere Goldkörner oder gar Gold-Nuggets zu finden.
Die Goldflitter sind vielmehr so winzig, dass sie mit bloßem Auge im Sand
und Schlamm nicht zu erkennen sind. Deshalb muss der Goldanteil mit
aufwändigen Verfahren vom tauben Sediment getrennt werden. Zunächst wird aus
dem Bachsediment das grobe Gestein abgesiebt. Es bleibt Sand zurück. Mit
Hilfe einer Goldwaschpfanne gelingt es, die unterschiedlich schweren
Bestandteile des Bachsandes voneinander zu trennen. Durch kreiselnde
Bewegungen werden Erdkrumen und Mineralkörner mit geringem spezifischen
Gewicht mit dem Wasser über den Schüsselrand gespült. Die schweren
Mineralkörner mit dem Gold bleiben am Boden liegen. Die winzig kleinen
Goldkörnchen blitzen im Sonnenlicht auf und können mittels einer Pinzette
ausgelesen werden. Beim wirtschaftlich rentablen Goldabbau werden die
Goldkörner jedoch nicht manuell ausgelesen. Hier kommen chemische Zusätze
zum Einsatz. Im 19. Jahrhundert und auch schon davor war das auch heute noch
z.B. in Brasilien oder Indonesien anzutreffende
Quecksilber-Amalganierungs-Verfahren üblich, das Böden, Flüsse und Seen mit
hochgiftigem Quecksilber verseucht, welches sich in der Nahrungskette auch
noch anreichert. Bei diesem Verfahren wird das zerkleinerte, goldhaltige Erz
mit Quecksilber vermischt, welches das Gold selektiv herauslöst. Das
Quecksilber wird dann verdampft und Gold bleibt zurück.
In den frühen Jahren des 20.
Jahrhunderts wurde das Amalganierungsverfahren nach und nach durch die
umweltfreundlichere (!??) Auslaugung von Gold mittels Zyanid abgelöst. Gold
und Silber bilden lösliche Komplexe mit Zyanid (HCN), währenddessen Quarz,
Eisenoxide und andere Begleitminerale nicht angegriffen werden. Gold kann aus der Lösung
gewonnen werden, indem man Zink zugibt. Dabei bilden sich lösliche
Zinkzyanide, während Gold und Silber ausfällt. Zyanid kann zwar relativ
leicht entsorgt werden, ist jedoch stark giftig. Es blockiert die
Sauerstoffaufnahme im Blut und führt so zum Erstickungstod. Aus diesem
Grunde ist die Goldgewinnung mit Zyanid sehr umstritten. Wirtschaftliche
Alternativen gibt es jedoch bisher nicht.
Sichtbare „Zeugen“ der Goldsuche im Bayerischen Wald
Seifenhügel - Abfallhaufen mittelalterlicher Goldgräber Wandert man entlang
der Gold führenden Bäche, fallen an bestimmten Stellen kleine Hügel ins
Auge, deren Formen nicht in die ansonsten sanft geschwungene Landschaft
passen. Es handelt sich dabei um Goldseifenhügel, im Volksmund Grüben
genannt. Bei jedem Siebvorgang zu Beginn der Goldwaschprozedur wurde der
grobkörnige Kies an den Bachseiten aufgeworfen. Im Laufe vieler
Goldwäschergenerationen wurden Hunderte von Tonnen Gesteinsmaterial bewegt
und zu den markanten Hügeln aufgehäuft.

Goldköpfchen und Goldmarie - Das Gold im regionalen Namensgut
Sowohl in Bayern als auch in Böhmen bezeugen heute noch Orts- oder Flurnamen
vom einstigen Goldreichtum der Region. Am bekanntesten ist wohl der
Namenszusatz bei Prag: die goldene Stadt. Aber auch der deutsche Name von
Kaspersky Hori (Bergreichenstein), die Ortschaft Reichenberg oder der
Goldbach bei Zwiesel lassen einen Bezug zur Goldgewinnung erkennen.
Ohne Quarz kein Glas
Glasmacher als Schatzsucher - Die Gewinnung: Wer durch die Wälder des
Bayerischen Waldes streift, der wird häufig vor Löchern und Gruben stehen.
Dabei denkt man eventuell an Bärenfallen oder Goldsucher, die hier ihre
Stollen angelegt haben. Nein, nach Gold wurde hier
nicht gegraben, obwohl das Gestein, das hier abgebaut worden ist, für die
armen Bayerwäldler wahrhaftig so wertvoll gewesen sein muss wie Gold. Es
handelt sich hier vielmehr um alte Quarzgruben, ehemalige Abbaustellen, an
denen der Rohstoff für die weit verbreitete Glasindustrie im Bayerischen
Wald gewonnen wurde. Mehrere Jahrhunderte lang wurde das Gestein abgebaut
und vor Ort in unzähligen Glashütten weiter verarbeitet.
Dort entstanden
Kunstobjekte, Butzenscheiben, Trink- und Flaschengläser und vieles mehr.
Doch in früheren Zeiten war es ziemlich schwierig, Glas herzustellen.
Bereits winzig kleine Unreinheiten im Gestein mindern nämlich die Qualität
des Produktes ganz erheblich. Quarz kommt in der Natur nur sehr selten als
Reinprodukt vor, oftmals enthält er Spuren von Eisen. Und dies färbt das
daraus geschmolzene Glas grün. So waren in den vergangenen
Jahrhunderten also viele Glasgegenstände in grüner Farbe, da es damals nicht
möglich war, das Eisen aus dem Quarz zu entfernen. Heute wird „glasklares“
Glas benötigt. Grüne Fensterscheiben oder Brillengläser würden sicher nur
sehr wenig Nachfrage finden. Daher wird der Rohstoff für die Glasindustrie
des Bayerischen Waldes heute nördlich des Bayerischen Waldes in der
Oberpfalz gewonnen, wo der Quarz eine wesentlich bessere
Verarbeitungsqualität besitzt.

Die Entstehung von Quarz
Quarz ist chemisch gesehen Siliziumdioxid (Si02). Trotz seiner einfachen
Formel bildet der Quarz, je nach Entstehungsbedingungen und Beimengungen,
außerordentlich verschiedengestaltige Formen. Am bekanntesten ist sicherlich
der Bergkristall, aber auch Rosenquarz ist Manchem ein Begriff. Im
Bayerischen Wald findet man an bestimmten Stellen solche Ausprägungen des
Quarzes. Viel häufiger sind dort jedoch eher unscheinbare Gesteine, die
Quarz enthalten. Eines davon ist der Pegmatit. Er bildet sich aus leicht
flüchtigen Gesteinsrestschmelzen, die übrig bleiben, wenn ein Granitkörper
auf rund 500°C abkühlt und dabei weitgehend auskristallisiert wird. In
diesen Restschmelzen, die oft in die Spalten eindringen, herrschen
Bedingungen, die zum Riesenwuchs von Kristallen führen. Der sehr grobkörnig
kristallisierte Quarz kann daher mechanisch sehr einfach von anderen
Mineralien getrennt werden, die ebenfalls sehr große Kristalle ausbilden und
daher von Mineraliensuchern sehr begehrt sind.
Vom Quarzbrocken zum Trinkglas - Die Verarbeitung
Glasblasen: Das wichtigste Arbeitsmittel, das flüssige Rohglas, wurde
bereits am Vortag hergestellt. Dabei wurden die Rohstoffe auf fast 1500 °C
erhitzt und auf diese Art miteinander verschmolzen. Die Schmelze hat am
Morgen des nächsten Tages genau die richtige Temperatur für die
Weiterverarbeitung. Doch was ist eigentlich in dieser Schmelze enthalten?
Zunächst einmal muss der
Quarz, der als Sand oder Gesteinsbrocken in die Glashütte kommt, zerkleinert
werden. Dies geschieht natürlich heute durch vollautomatische Maschinen.
Früher jedoch benutzte man dazu so genannte Quarzpocher. Dabei stampften
große, durch Wasserkraft bewegte Holzhämmer (vgl. Hammerwerke!) das
Quarzgestein zu Staub. Dem staubfeinen Quarz
werden je nach Endprodukt weitere Zutaten zugesetzt. Kaliumkarbonat und Soda
gehören dabei in jedes Gemenge. Für hochglänzendes Bleikristall wird noch
Bleioxid, für normale Trinkgläser Kalk zugesetzt. In früherer Zeit wurde das
für das Gemenge benötigte Kalium aus Pottasche gewonnen. Hierfür wurde Holz
zu Asche verbrannt, welche einen mehr oder weniger großen Anteil von Kalium
besitzt (je nach Baumart). In großen Töpfen, Pötte genannt, wurde diese
Asche für die Glasschmelze aufbereitet; daher der Name „Pottasche“. Durch
die Zugabe von Pottasche konnte der Schmelzpunkt der Glasschmelze
herabgesetzt werden. Dies war wichtig, da die notwendigen hohen
Temperaturen, welche für die Glasschmelze notwendig sind, mit den damaligen
Brennmaterialien nicht erreicht werden konnten.
Auch heute noch wird dem
Gemenge Pottasche zugesetzt, um Energie zu sparen. Allerdings muss kein Baum
mehr für die Herstellung sein Leben lassen, da Pottasche nun künstlich
hergestellt werden kann.
Geschichte
Weißblaue Rauten Wenn der bayerische Ministerpräsident mit stolz
geschwellter Brust an den weißblauen Flaggen des Freistaats vorbei
marschiert, würdigt er unbewusst zugleich ein einst im Bayerischen Wald
reich begütertes Adelsgeschlecht: die Grafen von Bogen. Diese waren über
Jahrhunderte hinweg die bedeutendsten weltlichen Machthaber in Ostbayern.
Als 1242 der ausgedehnte Besitz der Grafen von Bogen an die Wittelsbacher
Herzöge fiel, erbten diese nicht nur weite Teile des Bayerischen Waldes und
die gräflichen Güter an der Donau, sondern führten seither auch die
weißblauen Rauten des Grafengeschlechts in ihrem Wappen, die über diesen
„Umweg“ bis heute lebendig geblieben sind.
Erschließung durch Mönche
Nachdem sich Römer und Alemannen doch weitgehend entlang des Donautals, also
mehr außerhalb des Waldes aufgehalten hatten, entstand im frühen Mittelalter
unter den Agilolfinger- Herzögen eine „bajuwarische Klosterlandschaft“: Über
50 Klöster wirkten als geistliche und kulturelle Zentren des Landes,
darunter auch die später prachtvoll barockisierten Anlagen an der Donau. Zu den Aufgaben der Klöster in
Bayern gehörte es, durch Rodung der Wälder Neuland zu erschließen. Die
Mönche griffen dabei selbst zur Axt. Ein Deckenfresko in der Barock-Kirche
von Rinchnach zeigt den hl. Gunther als Rodungsmönch. Neben den Klöstern
Metten und Niederalteich spielte vor allem das 739 von Bonifatius gegründete
Bistum Passau bei der Besiedlung des Bayerischen Waldes eine wichtige Rolle.
Man nehme nur den Ortsnamen Bischofsmais: eine Rodung („Mais“), die der
Bischof von Passau anlegen ließ.
Dunkler, sündhafter Wald
Trotz aller „Erschließungserfolge“ mieden die Menschen Jahrhunderte lang den
„Nortwalt“. Sie siedelten an seinen Rändern, in den vom Klima begünstigten
Flusstälern und Niederungen sowie im hügeligen Vorland. Im Mittelalter
verkörperte dieser Wald einerseits die Anarchie der Materie, andererseits
wurde er als letzte Bastion heidnischer Religionen betrachtet. Für Dante, den
„allerchristlichsten“ Dichter, war der „dunkle Wald“ eine Allegorie für die
christliche Schuld, für Sündhaftigkeit, Irrtum und Entfremdung von Gott. Der
Wald, das war das Gegenbild höfischer und städtischer Gesittung. Die
undurchdringliche Dichte des Waldes diente als Flucht- wie als
Aufenthaltsort der Gesetzlosen und Entrechteten, aber auch Eremiten, wie der
sagenumwobene Engelmari, hausten im Nirgendwo zwischen Recht und Ordnung.
Nicht grundlos verlegte Friedrich Schiller den Schauplatz seines Dramas „Die
Räuber“ in den Böhmerwald. Unter diesem Namen fasste man übrigens lange Zeit
auch weite Teile des Bayerischen Waldes zusammen. Zumeist waren es „nachgeborene“
Bauernsöhne und Bauerntöchter, die das Wagnis eingingen, in „den Wald“ zu
ziehen, um ihn urbar zu machen. Freiwillig wollte keiner in das Waldgebirge,
zur Not halfen die Landesherren mit etlichen Steuerprivilegien nach, wovon
der Ortsname „Freyung“ noch heute kündet. Dieser unwirtliche Landstrich
hatte einen schlechten Ruf. So sagte der Abt von Niederalteich, als er im
16. Jahrhundert um die Neubesetzung der Zwieseler Pfarrstelle gebeten wurde:
„Was soll ein Pfarrer bei Euch Zwieselern thuen? Er muss nur Tannenzapfen
essen.“ Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Joseph Hazzi, ein
bayerischer Beamter, der durch das Waldgebirge reiste, von den Zuständen
entsetzt:
„Die kleinen Dörfer mit
ihren kleinen hölzernen Häusern, die ganz mit Holz umringt und mit ziemlich
schweren Schindeldächern belegt sind, bieten einen widerlichen Anblick dar.
Alles ist mit Rindsblut schwarz angestrichen, ohne Meubeln, dazu voll
Schmutz. Und dann erst der Stall! Man weiß nicht, wer hier wohl schlechter
wohnt, das Vieh oder die Menschen!“
Filze und Schachten
Typisch für den „inneren“ Bayerischen Wald sind auch die Hochmoore, von den
Einheimischen Filze genannt. Das Latschenfilz und das Zwieselter Filz
gehören zu größten Sattelhochmoorkomplexen Deutschlands. Meterhoch sind die
Torfschichten. Im Moor versinken kann man aber nicht, denn ein lebendiges,
kaum berührtes Hochmoor wächst langsam: jedes Jahr etwa einen Millimeter.
Auf den nährstoffarmen Böden gedeihen nur wenige Pflanzen: leuchtendes
Wollgras, Beeren tragende Zwergsträucher, verschiedene Torfmoosarten,
Latschen und Moorbirken.
Ab 1100 Meter Höhe trifft
man auf die Schachten, die Almen des Bayerischen Waldes. Noch bis in die
fünfziger Jahre lebten die Hirten von Ende April bis September mit ihren
Jungrindern und Ochsen auf diesen Hochweiden; die bizarr geformten Buchen
und Bergahorne spendeten ihnen Schatten. Heute finden Wanderer hier Sonne,
Ruhe und herrliche Aussicht. Nur die wenigsten Wanderer
hingegen werden den Luchs zu Gesicht bekommen, der seit etwa 1980 aus den
tschechischen Wäldern wieder eingewandert ist. Bären und Wölfe kann man zwar
besser beobachten, allerdings nur noch im Freigehege des Nationalparks.
Dafür kreuzen mit etwas Glück Rotwild, ein Wildschwein oder gar ein Auerhahn
den Weg. Viele Vogelarten, wie Schwarzstorch, Ringdrossel, Haselhuhn und
Habichtskauz, brüten ungestört in der freien Natur.
Rückläufige Holzwirtschaft
Bis vor hundert Jahren war die Holzwirtschaft der bedeutendste Erwerbszweig
im Bayerischen Wald. Auf Pferdeschlitten und einem ausgeklügelten System von
Triftbächen und -kanälen erreichte das Holz die Flüsse Regen und Ilz, auf
denen die Stämme bis nach Regensburg oder Passau geflößt wurden.
Doch schon seit einigen
Jahrzehnten ist die Ertragslage der ostbayerischen Holzindustrie
unbefriedigend. Billige Importhölzer, Kunststoffe, Beton und Stahl eroberten
die Märkte. Stagnierende Holzpreise, steigende Löhne und Materialkosten
haben zudem zu Monokulturen geführt, da sich mit der schnell wachsenden
Fichte weit mehr Profit erwirtschaften lässt als mit der Tanne oder den
empfindlichen Laubbäumen.
Alltagsleben und Brauchtum
Das Alltagsleben im Bayerischen Wald hat sich inzwischen den Zeitströmungen
angepasst: Satellitenschüsseln und Internet haben Einzug gehalten - bis ins
letzte Dorf. Dennoch, die „Waidler“ dokumentieren nicht nur im Museumsdorf
Bayerischer Wald eigenständigen Charakter, sondern auch in dem einen oder
anderen Dorf. Beispielsweise im Weiler Gerholling im Lallinger Winkel. Hier
scheint die Zeit wirklich ein wenig stehen geblieben zu sein. In einigen wenigen Ecken
hat auch der Brauch der Totenbretter überlebt. Einst ruhte der Tote bis zu
seinem Begräbnis überall im Bayerischen Wald auf einem Brett, bis der in
Tuch gehüllte Leichnam darauf zu Grabe getragen wurde. Noch heute ist
relativ oft der Ausspruch zu hören: „Der is a über’s Toudnbredl grutscht“.
Als Mahnung an die Lebenden stellte man das Totenbrett dann zwischen zwei
Bäumen oder neben einer Kapelle auf. Mit der Zeit wird es morsch, die Farbe
verblasst und der Schriftzug ist kaum mehr zu entziffern. Doch so lange ein
Brett steht, ist die Seele des Verstorbenen noch gegenwärtig. Erst wenn es
endgültig vermodert ist, so der Volksglaube, kann der Tote in den Himmel
aufsteigen. Es gibt aber einen Trick, diesen Prozess etwas zu beschleunigen:
Man nimmt besonders weiches Holz.
Durch die lange Zeit
abgeschiedene Lage des Bayerischen Waldes sind zahlreiche religiöse Bräuche
noch tief im Alltag der katholischen Bevölkerung verwurzelt. Viele Feste
konzentrieren sich auf Pfingsten. So eilen am Pfingstsonntag die Gläubigen,
die eine fast zwei Zentner schwere, mit Wachs umhüllte Holzstange zwei Tage
lang mit sich getragen haben, zur Kerzenwallfahrt auf den Bogenberg, ziehen
die Bewohner von Sankt Englmar auf der Suche nach ihrem Ortspatron am
Pfingstmontag durch die Wälder, um die lebensgroße Holzstatue des Heiligen
in ihre Pfarrkirche zurück zu führen. Besonders farbenprächtig
ist der Kötztinger Pfingstritt. Über 800 festlich gekleidete Reiter
versammeln sich mit ihren Pferden, denen sie zur Feier des Tages Blumen in
Mähne und Schweif geflochten und eine weiße Haube über Ohren und Stirn
gezogen haben. Ziel ist die kleine St. Nikolauskirche im sieben Kilometer
entfernten Steinbühl, wohin der Sage zufolge der Kötztinger Pfarrer im Jahr
1412 gerufen worden war, um einem Sterbenden in dessen letzten Stunde
beizustehen. Ein paar Bauernburschen fanden sich einst, um ihren Pfarrer
durch die dunkle Nacht zu begleiten, und der Kötztinger Pfingstritt, die
„Wallfahrt der Hufe“, war geboren.

Quellen: Text: wikipedia.de, HB Bildatlas „Bayerischer Wald“,
Merian „Bayerischer Wald“ 1 und 2, Merian: „Bayern“, euregio-wald.com,
Diercke Geographiebuch 5. Klasse Gymn. Bayern, eigener Text.
Bilder: HB Bildatlas „Bayerischer Wald“,
Merian „Bayerischer Wald“ 1 und 2, Merian: „Bayern“, Diercke Weltatlas,
Gerlinde Blahak, eigene Bilder |