Der Bayerische Wald

Überblick:
Das relativ stark bewaldete Mittelgebirge „Bayerischer Wald“ liegt im Osten Bayerns an der Grenze zu Tschechien und Österreich. Zusammen mit dem Oberpfälzer Wald und dem Fichtelgebirge bezeichnet man diese Gebirgszüge auch als Ostbayerisches Grenzgebirge. Der Bayerische und der Böhmerwald bilden zusammen mit dem südwestlich von Passau gelegenen Neuburger Wald den zweitgrößten Naturraum in Niederbayern und Teilen der Oberpfalz. Der circa 120 km lange und 35 km breite Bayerische Wald beschreibt dabei den südwestlichen Rand der Böhmischen Masse, der im Uhrzeigersinn durch Oberpfälzer Wald, Erzgebirge und den Sudeten seine Fortsetzung findet. Er wird im Norden von einer Senke zwischen den Städten Cham und Furth im Wald begrenzt. Im Westen endet er beim Fluss Regen, im Süden an der Donau. Auf seinem Kamm verläuft die Grenze zu Tschechien, im Südosten liegt die Grenze zu Österreich. Allgemein unterscheidet man zwischen dem Vorderen und Hinteren Bayerischen Wald, wobei als Grenzlinie das Regental anzusehen ist.

Entstehung und Formen:
Beim Bayerischen Wald handelt es sich um eine aus dem Karbon (frühes Erdaltertum, ab ca. 500 Mill. Jahren) stammende Mittelgebirgslandschaft, die in der Hauptsache aus Graniten und Gneisen besteht. Lange vor der Entstehung der Alpen gab es hier vor etwa 300 Mill. Jahren ein Hoch- bzw. Faltengebirge, dessen Entstehungsablauf dem der Alpen glich. Durch Verwitterung und Abtragung während einer langen Periode wurde das Gebirge während des späten Erdaltertums und des Erdmittelalters stark eingeebnet, sodass schließlich nur noch eine gewellte Hochfläche übrig blieb. Dieser Gebirgsrumpf wurde anschließend teilweise vom Meer überflutet. In der Kreidezeit sowie zu Beginn der Erdneuzeit, als die Hebung der Alpen begann, kam auch wieder Bewegung in dieses eingeebnete Gebirge. Es zerbrach in so genannte Bruchschollen, und an den Bruchlinien wurden Teile gehoben oder abgesenkt. Einfach ausgedrückt: die gehobenen Teile sind die heutigen Mittelgebirgserhebungen, die abgesenkten Teile nennt man im Allgemeinen Grabenbrüche (vgl. Oberrheingraben). In eine der Bruchlinien des Bayerischen Waldes drang Quarz ein. Dies ist ein sehr hartes Gestein. Im Verlauf von Jahrtausenden ist das weichere Material neben der Quarzader abgetragen worden. Der harte Gesteinswall, Pfahl genannt, überragt seine Umgebung stellenweise um bis zu ca. 20 Meter. Bis auf wenige Lücken ist er erhalten geblieben und zieht sich 150 km durch den nördlichen Bayerischen Wald. Nördlich des Pfahles findet man in der Hauptsache Gneise, südlich davon eher Granite und Magmatite. Recht markant ist im Bereich zwischen Regensburg und Passau der Höhenunterschied zwischen der 300-350m hoch gelegenen Donauebene und den höchsten Gipfeln des Vorwaldes, zum Beispiel dem Einödriegel mit 1121 m: ca. 800m Höhendifferenz auf nur wenige Kilometer Horizontalentfernung. Die Trennlinie zwischen dem Tertiärhügelland und dem Bayerischen Wald wird durch den Donaurandbruch verursacht, einer geologischen Linie zwischen dem abgesunkenen und unter quartären Überlagerungen des Molassebeckens gelegenen kristallinem Grundgebirge und dem nordwestlich dieser Linie noch sichtbaren Teil, der dem Bayerischen Wald zugehörig ist. Aufgrund der Hebung des Bayerischen Waldes, von der auch der Neuburger Wald betroffen war, kam es zu einem antezedenten (man spricht von einer antezedenten Talbildung, wenn sich ein bereits vorhandener Fluss langsam in ein aufsteigendes Gebirge so einschneidet, dass die Tiefenerosion mit der Hebung zumindest Schritt hält) Einschneiden der Flüsse Inn und Donau in diesen Bereich des kristallinen Grundgebirges und somit zur Ausbildung einer engen Talzone ab Pleinting Donau abwärts und südlich von Passau, wo sich der Inn ein tief eingeschnittenes Bett geschaffen hat. Während der Vordere Bayerische Wald nur in wenigen Gipfelregionen Höhen von über 1000m erreicht (z.B. Brotjacklriegel 1016m, Einödriegel 1121 m, Vogelsang 1022m, Hirschenstein 1095m und Pröller 1048m), liegen die Gipfelregionen im Hinteren Bayerischen Wald zum Teil über 1300 bis 1400m: Gr. Falkenstein 1312m, Dreisessel 1330m, Lusen 1371m, Rachel 1453m, Gr. Arber 1456m.

Niederschläge
Deutlich steigen an den Rändern des Bayerischen Waldes bis zu den Gipfellagen die durchschnittlichen Niederschlagsmengen aufgrund des auftretenden Steigungsregens und vermehrter Gewitterneigung vor allem in den Sommermonaten rasch an und erreichen in den Höhenlagen 1300 - 1400 mm im Jahr. Im höher gelegenen Hinteren Bayerischen Wald sind die Niederschläge mit etwa 1500-1600mm noch höher anzusetzen als im Vorderen. Allgemein jedoch sind die hier gemessenen Niederschlags-Werte aufgrund der östlicheren, kontinentaleren Lage des Bayerischen Waldes niedriger als beispielsweise in den vergleichbaren Regionen der Vogesen sowie des Schwarzwaldes. Wegen der Leelage des Regentales sind hier wiederum geringere Werte als an der Südwestseite des Vorderen Bayerischen Waldes zu verzeichnen. Ein weiterer Grund ist die Streichrichtung des Gebirges, die nur selten zu echtem Steigungsniederschlag mit senkrecht zum Gebirgszug verlaufenden Windrichtungen führt. Während die Donauebene und das Tertiärhügelland relativ wenige Tage mit Schneedecken aufweisen, ist der Bayerische Wald wegen seines Schneereichtums bekannt. Bedingt durch die Stauniederschläge und der relativ hohen Lage des Mittelgebirges und letztlich auch aufgrund der kontinentaleren Ostlage ist in den Kammlagen des Vorderen Waldes mit bis zu 120 Tagen und im Hinteren Wald mit bis zu 180 Tagen Schneedecke zu rechnen. Je nach Winter kann die Schneehöhe bis über 200cm betragen. Der Einflussbereich des Alpenföhns reicht oft bis an den Donaulauf und den Bayerischen Wald heran. Besonders an Tagen mit starkem Föhn ist deshalb von den Bergen des Bayerischen Waldes die Kette der Alpen zu erkennen.

Eiszeit:
Vor allem der Hintere Bayerische Wald hatte während der Eiszeit seine eigenen Vereisungen. Diese Regionen waren während der Eiszeiten von Schnee- und Eisfeldern bedeckt, die auch ihre Spuren hinterlassen haben. Hier waren auf den ausgedehnten Hochflächen ebensolche Verfirnungen als lange Gletscherzungen anzutreffen. Die Mächtigkeit des Gletschereises auf 1050m Höhe lag bei etwa 125m. Dort, wo sich die Gletscher einen Weg ins Tal bahnten, trifft man noch heute auf glazial bedingte Formen, wie Kare, Karoide, Karseen und Moränenwälle. Ein Gletscherende lag zum Beispiel in der Nähe des großen Arbersees auf ca. 850m Höhe, das Zungenende des nördlich ausgerichteten Gletschers hinab zum kleinen Arbersee bei ca. 830m Höhe. Demnach gab es einen deutlichen Höhenunterschied von über 600m von den Gipfelregionen bis zu den Endmoränen. Weitere Gletscherzungen flossen vom Großen Rachel herab. Auch hier gibt es Kare und Karoide, die auf die eiszeitliche Vergletscherung schließen lassen. In der jüngsten erdgeschichtlichen Vergangenheit hat es im Bayerischen Wald bisher mindestens sechs Eiszeiten gegeben, die nur von einigen zehntausend Jahren Warmzeit unterbrochen waren. Einige Wissenschaftler glauben, dass die heutige Zeit auch nur eine kurze Warmphase sei, und dass sich das Klima in Mitteleuropa irgendwann wieder abkühlen wird. In einiger Zeit könnte deshalb zB. ein Findling Gesellschaft bekommen. Doch Genaueres muss erst erforscht werden. Nachgewiesen ist jedoch, dass die vorerst letzte Vereisungsphase im Bayerischen Wald vor gut 10000 Jahren zu Ende ging. Damals war der gesamte innere Bayerische Wald von einem dicken Eispanzer bedeckt, der eine Mächtigkeit von mindestens 100 m aufgewiesen haben muss. Nur der Gipfel des Lusen schaute im Sommer aus dieser Eiswüste heraus. Die Gletscher haben dabei die Landschaft gestaltet. Neben den Findlingen gibt es noch weitere Zeugen der Eiszeit im Bayerischen Wald: So zum Beispiel der Große und der Kleine Arbersee oder der Rachelsee. Auch sie sind durch die Kraft des Gletschers entstanden. Wenn Eismassen von einem steilen Berghang herabfließen und auf eine ebene Stelle treffen, entsteht ein Kar. Man kann sich diese Form wie eine Pfanne mit steilen Seitenwänden und einem flachen Boden vorstellen. Der Gletscher muss seine Fließrichtung ändern. Dabei wird ein Loch, die so genannte Karmulde, ausgeschürft. Füllt sich diese Karmulde anschließend mit Wasser, so entsteht ein Karsee. Häufig findet sich hinter diesem See eine Karwand, die vom Gletscher glatt gehobelt wurde. Vor dem Kar wurden Moränen aufgeschüttet. So, wie Findlinge vor der Gletscherstirn zurückgelassen wurden, erging es auch Millionen anderer Steine und Sandkörner. Dort stapelten sich im Laufe der Jahrtausende Sand und Steinbrocken ganz unterschiedlicher Größe. Damit entstanden genau an den ehemaligen Grenzen der Gletschervorstöße, dort wo also die Kraft des Eises geendet hatte, Wälle aus Geröll, oftmals girlandenartig angeordnet. Bei Tauwetter sammelte sich oftmals das Wasser des schmelzenden Eises hinter den Moränenwällen. Hier konnte sich im Laufe der Zeit ein See aufstauen. Dieser Seetyp wird Endmoränensee genannt. Vereinen sich ein Karsee und ein Endmoränensee, so spricht man von einem Kar-Endmoränensee. So sind der große Arbersee und der Rachelsee Kar-Endmoränen- Seen; der kleine Arbersee ist ausschließlich durch den Aufstau des Wassers vor einer Endmoräne entstanden, bildet also einen Karsee. (vgl. entsprechende Skizzen)

Ein Findling erzählt
„Zur Eiszeit ich auf Gletschers Rücken // bis hierher glitt und voll Entzücken // an dieser Stelle Ruhe fand // als unter mir das Eis verschwand.“ Hallo, ich bin ein Findling und befinde mich im Reschwassertal an der Ostgrenze des Nationalparks Bayerischer Wald. Ich liege hier seit vielen, vielen tausend Jahren, seitdem mich Gletschereis von meiner eigentlichen Heimat abgeholt und bis hier hin verfrachtet hat. Eigentlich bin ich ja schon viel älter als jene zwanzigtausend Jahre, vor denen mich das Eis hier abgesetzt hat. Nein, ich habe schon einige Millionen Jährchen auf dem Buckel. Entstanden bin ich aus heißen Magma des Erdinneren, aber das ist eine andere Geschichte. Ich möchte Euch erzählen, wie es damals war mit der Eiszeit. Vor mehr als zwei Millionen Jahren wurde es innerhalb einer kurzen Zeitspanne merklich kälter. Zuvor - Geologen nennen dieses Erdzeitalter das „Tertiär“ - hatten wir hier ein tropisch-heisses Klima, aber dann war es vorbei mit der schönen Wärme. Selbst im Sommer stieg das Thermometer nicht mehr über 10 Grad. Und es schneite und schneite. Die Schneemassen türmten sich auf den Bergen, und die Schneeflocken, die ganz unten lagen, stöhnten regelrecht unter dem Gewicht, das sie zu tragen hatten. Die Luft darin verflüchtigte sich bereits, weil ihr das Gewicht zu viel wurde. Allmählich verwandelte sich der Schnee in Eis. Der Druck des immer noch wachsenden Schneeberges war so groß, dass das Eis am Boden ganz langsam abzufließen begann. Und so schob sich der Gletscher ins Tal hinab. Allerdings kam er nicht allzu weit. Nur für etwa drei bis vier Kilometer Wegstrecke reichte es, ehe der Gletscher zum Stillstand kam. Nun ja, eigentlich steht ein Gletscher ja gar nicht still, sondern das ständig nach fließende Eis taut an der Gletscherstirn langsam ab, so dass sich vor dem Gletscher große Schmelzwasserströme bilden. Dabei passierte dann etwas, was die Glaziologen - das sind die Menschen, die sich wissenschaftlich mit Gletschern und Eiszeit beschäftigen - was diese Glaziologen als „Förderbandeffekt“ bezeichnen. Denn ähnlich wie bei einem Förderband werden Steine und Schutt, die sich auf oder im Gletscher befinden, durch das permanent nach fließende Eis nach unten transportiert. Wie die Steine auf dem Gletscher gekommen sind? Nun, sie sind einfach von den steilen Berggipfeln auf den Gletscher gefallen und vom fließenden Eis mitgenommen worden. So bin auch ich eines Tages auf den Gletscher gefallen. Meine Güte, war das kalt auf diesem Eiskoloss. Ich weiß gar nicht, wie lange ich auf dem Rücken des Gletschers gelegen habe. Es werden wohl einige Jahrzehnte gewesen sein. Jedenfalls bin ich eines Tages hier an dieser Stelle, wo ich mich noch heute befinde, auf den Erdboden gesunken, als das Eis ringsherum um mich weg geschmolzen war. Hier liege ich nun und warte auf Gesellschaft. Vielleicht bringt ja die nächste Eiszeit eine Weggefährtin, aber das wird sicherlich noch einige Zeit dauern. Vielleicht muss unser Freund, der Findling, gar nicht so lange warten, bis die nächste Eiszeit kommt.

Attraktionen:
Im Bereich des Inneren Bayerischen Waldes liegt zwischen Lusen und dem Großen Falkenstein das Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald, des ältesten Nationalparks in Deutschland (1970 gegründet). Der Tourismus hat im Bayerischen Wald einen hohen Stellenwert. Es gibt beispielsweise viele kleinere Skigebiete. Und der Slogan „Ferien auf dem Bauernhof“ erreicht weite Teile der Bevölkerung. Ein zusätzlicher Magnet ist die weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannte Glasbläserkunst. (Genaueres siehe später)

Granit
Nüchtern erdwissenschaftlich betrachtet ist Granit erkaltetes Magma. Dieses entsteht im glutheißen Erdmantel und steigt entlang von Schwächestellen in der Erdkruste auf. Das Eindringen von Schmelzen in das Nebengestein wird als Intrusion bezeichnet. Das Magma erreicht jedoch meist nicht die Erdoberfläche, sondern erstarrt noch im Erdinneren. Dabei bilden sich so genannte Granitkörper. Granit besteht aus verschiedenen Mineralen, die im Erdinneren auskristallisiert sind. Der wichtigste Merksatz, der jedem Geologiestudenten im ersten Semester gelehrt wird, lautet: „Feldspat, Quarz und Glimmer, dies vergess' ich nimmer.“ Damit sind die drei Hauptbestandteile des Granit auch schon genannt. Daneben enthält Granit noch einige andere Färbungen. Die einzelnen Mineralkörner sind so grobkörnig, dass man sie mit bloßem Auge unterscheiden kann. Granit besitzt wichtige wirtschaftliche Bedeutung, denn er findet als Werkstein vielseitige Einsatzgebiete: Aus Granit werden Straßenpflaster und Grenzsteine, Brunnen und Futter- tröge, Fensterbretter oder sogar ganze Grundmauern für Gebäude gefertigt. Alle diese Gegenstände haben eines gemeinsam: Sie sind aus würfel- oder quaderförmigen Granit-Stücken hergestellt. Diese würfelförmige Spaltbarkeit von Granit ist eigentlich einfach zu erklären: Wenn heißes Magma abkühlt, verringert sich das Volumen der Gesteinsmasse. Vereinfacht gesagt: das langsam fest werdende Gestein zieht sich zusammen. Dabei bilden sich im Granitkörper feine Risse und Klüfte, die in Mitteleuropa aufgrund der dort vorherrschenden Bruchzonen in drei Richtung annähernd senkrecht aufeinander stehen, eben wie bei einem Würfel. Pflastersteine stellen somit ein ideales Abbild der drei häufigsten Kluftrichtungen im Granit dar. Die sprichwörtliche Härte von Granit ist sicherlich jedem bekannt. Aber auch Steine sind vergänglich. Der „Zahn der Zeit“ kann auch den widerspenstigsten Härtling aufarbeiten. Granit verwittert in die unterschiedlichsten Formen, die das Landschaftsbild des Bayerischen Waldes entscheidend geprägt haben. Die typischste und zugleich auch spektakulärste Verwitterungsform von Granitfelsen tritt in Form von „Wollsäcken“ auf. Diese Bezeichnung heißt so wegen der Ähnlichkeit zu übereinander gestapelten, mit Wolle gefüllten Säcken. Entscheidend für die Wollsackverwitterung ist das oben schon erwähnte rechtwinkelig aufeinander stehende Kluftsystem. Entlang dieser Risse kann Wasser eindringen und Minerale aus dem Gestein herauslösen. Besonders anfällig für die Verwitterung sind die Ecken und Kanten des Gesteines, die als Erste „abgelöst“ werden. Es kommt zur allmählichen Abrundung der Blöcke. Der so abgelöste Verwitterungsschutt, der Granitgrus, wird vom Regen ausgewaschen. Die zurückbleibenden, stark abgerundeten Blöcke bleiben lange Zeit noch zu Türmen aufgestapelt stehen. Aber auch sie werden von der Verwitterung abgetragen. Eines Tages fallen sie in sich zusammen und bilden Blockmeere. Diese sind auf zahlreichen Berggipfeln im Bayerischen Wald anzutreffen, etwa auf dem Lusen. (siehe Bild) Dort, wo die Erosion besonders stark ausgeprägt war, ist das gesamte ehemals so massige Gestein zu Sand zerfallen. In den zahlreichen Sandgruben des Bayerischen Waldes wird dieser Verwitterungsschutt als Baustoff abgebaut. Da das nordostbayerische Grundgebirge mit dem Bayerischen Wald zu den größten Verbreitungsgebieten von Granit in Deutschland gehört, haben die Einheimischen seit jeher mit diesen Steinen zu tun gehabt. Jahrhunderte lang bis zum heutigen Tage mussten auf Feldern und Wiesen Steine geklaubt werden. Diese Lesesteine wurden zu Wällen entlang der Flurgrenzen verwendet oder dienten für den Bau von Kirchen oder Burgen. Mit der Zeit kam Granit als Baustein immer mehr in Mode. Die ursprünglich weit verbreiteten oberflächennahen Felsen oder Blockfluren waren schnell verbraucht. Daher mussten Steinbrüche erschlossen werden, die heute das Bild der Granitgebiete im Bayerischen Wald prägen. Insbesondere nach der Anbindung des Bayerischen Waldes an das überregionale Eisenbahnnetz konnte der steigenden Nachfrage u.a. nach Werk- und Straßenbausteinen entsprochen werden. Granit aus dem Bayerischen Wald findet sich beispielsweise wieder in Teilen des Schlosses Charlottenburg in Berlin, in der Ruhmeshalle bei Regensburg oder in Gebäuden der Universität München.

Aus einem Schulbuch:
Merkmale des Granits:

Erstarrungsgestein, das in einigen Kilometern Tiefe unter der Erdoberfläche erkaltete. Typisch sind körniger Aufbau und verschiedene Farben.
Mineralien: Feldspat: weiß oder rötlich;
Quarz: grau bis farblos;
Glimmer: schwarz glänzend bis silbrig.
Vorkommen: Fichtelgebirge, Bayerischer Wald, Oberpfalz

Merkmale des Gneises:
Metamorphes Gestein, das in der Tiefe aus anderen Gesteinen entstand. Meist matte helle und glänzende dunkle Lagen. Verschiedene Farben.
Mineralien: heller Feldspat und Quarz;
dunkler Glimmer
Vorkommen: Fichtelgebirge, Bayerischer Wald

Der Bayerische Pfahl - Drachenkamm im Bayerischen Wald
Der Bayerische Pfahl ist eines der auffälligsten geologischen Objekte Bayerns. Wie eine bloßgelegte Wirbelsäule ragt er aus dem Erdboden heraus. Als geradliniger Quarzgang-Zug erstreckt er sich über 150 km von Nabburg in der Oberpfalz im Nordwesten bis nach Passau im Südosten durch das nordostbayerische Grundgebirge und zieht sich anschließend durch das oberösterreichische Mühlviertel bis kurz vor Linz.

Entstehung:
Angetrieben von langsamen unterirdischen Konvektionsströmen verändern im Laufe von Jahrmillionen sogar Kontinente ihre Lage. Sie bewegen sich als Teil riesiger Erdkrustenplatten aufeinander zu oder driften auseinander. Im Laufe der Erdgeschichte kam es dadurch immer wieder zu Kollisionen großer Kontinente. Unter ihrem gewaltigen Druck wurden dabei kilometerdicke Gesteinsschichten zusammengepresst, übereinander geschoben und zu Gebirgen wie den Alpen oder dem Himalaya aufgetürmt. Im Steinkohlezeitalter (Karbon) vor mehr als 300 Millionen Jahren kam es im Bereich des heutigen Mitteleuropa zu einer derartigen „Begegnung“ der Urkontinente von Nordamerika, Eurasien und Afrika. Als Folge wurden, wie bekannt, von Spanien bis weit nach Osteuropa neue Gebirge aufgefaltet, die in der Zwischenzeit durch anhaltende Erosion zu den Mittelgebirgslandschaften abgeflacht wurden. In Deutschland zählen dazu beispielsweise der Schwarzwald, der Harz, das Erzgebirge oder auch der Bayerische Wald. Als übergeordneter Ausdruck wird für alle in damaliger Zeit entstandenen Gebirge der griechische Ausdruck „Varisziden“ verwendet. Das Zeitalter dieser Gebirgsentstehung heißt deshalb auch Variszische Gebirgsbildungsphase. Das fast ausschließlich aus Quarz bestehende Pfahlgestein bildete sich in mehreren Phasen. Zunächst einmal wurde die bereits lange zuvor entstandene Gebirgsmasse des Bayerischen- und Böhmerwaldes durch das Aufeinanderprallen der Kontinente, also auch als Begleiterscheinung der Alpenbildung, in mehrere große Schollen zerbrochen, die infolge starker seitlicher Einengung mehrfach gegeneinander verschoben, verkippt und gehoben wurden. Als markanteste Bruchlinie, die noch heute geologisch die Gebirgsschollen des Vorderen und Hinteren Bayerischen Waldes trennt, wurde die „Pfahlstörung“ angelegt. Hier bewegten sich wiederholt starre Bereiche der Erdkruste aneinander vorbei. Wie zwischen zwei riesigen Mühlsteinen wurden die angrenzenden Gesteinspartien in feinste Mineralkörner zerrieben und zusammengepresst. Aus den ursprünglich anstehenden Granit- und Gneisgesteinen entstanden so entlang der Pfahlstörung ein relativ mürber Gesteinstyp: der Pfahlschiefer. Gleichzeitig bildeten sich leicht schräg zu dieser geologischen Schwächezone unterirdische Riss- und Kluftsysteme, in die in mehreren Schüben kochend heiße Kieselsäurelösungen aus dem Erdinneren eindrangen. Beim Erkalten dieser Lösungen kristallisierte der eigentliche Pfahlquarz aus. Nach vielen Millionen Jahren der Verwitterung und Abtragung der angrenzenden, weicheren Pfahlschiefer wurden die härteren Quarzzüge des Pfahl allmählich aus der Umgebung herausmodelliert. Dort, wo sie dem Abbau nicht zum Opfer gefallen sind, zieren sie noch heute als weithin sichtbare, leuchtend- weiße „Felsenriffe“ die Landschaft.

Die Sage vom Pfahldrachen
Die Entstehung dieses eigenartigen Felsengebildes war lange Zeit ungeklärt. In den volkskundlichen Überlieferungen wird der Pfahl wegen seines bizarren Aussehens oftmals als Werk des Teufels, der unter den Felsen kristalline Schätze verbirgt, als versteinerter Kamm eines gewaltigen, in der Erde ruhenden Drachen oder als den - nach dem Untergang der alten Götter - zu Stein zerschmolzenen Rest Wallhalls gesehen. Zahlreiche Sagen und Mythen umragen den Pfahl, eine davon sei hier (stark gekürzt) wiedergegeben: In früheren Zeiten war der Wald noch voller Zauber: Da ging noch der Rübezahl um, da brauste im Sturm die wilde Jagd, und in der Unterwelt wohnte eine wunderschöne und faszinierende Zauberin und versuchte immer wieder, törichte Jäger in ihren ganz aus Kristall bestehenden Palast zu locken. An einem schönen Sommerabend hatte sich ein junger Mann, der Junker von Bärndorf, im Schatten eines Felsens zum Schlafe niedergelassen und hatte einen eigenartigen Traum. Der Fels, an dem er lag, öffnete sich leise und hervor traf eine Frau von wunderbarer Schönheit, verführerisch und geschmückt mit Gold und Juwelen. Dem Schläfer war's, als neige sie ihr Haupt, das mit einem Krönlein aus lauter Kristall geziert war, lieblich über ihn und lege ihre weiße Hand auf sein Herz, also sprechend: „Ich bin die Königin im kristallenen Reiche, und dort ist mein Palast!“ Dabei deutete sie zu der Öffnung im Fels, durch die sich ein schimmernder Garten mit Blumen aus Edelgestein und mit Bäumen aus Gold und Silber zeigte, in dessen Mitte ein hohes Schloss, aus glitzerndem Kristall gebaut, stand. „Ich liebe dich“, sagte die Zauberin, „ich mache dich zu meinem König, wenn Du Deinen schweren Erdenleib gegen den Leib eines Geistes wechselst. Komme morgen in der Mittagsstunde an eben diesen Ort, und wenn der spitze Schatten jener Tanne auf den moosigen Stein zielt, der ihr zu Füßen liegt, dann schüre ein Feuer an und hebe den Stein auf. Du wirst eine grüne Eidechse finden. Ergreife sie und rufe dreimal „Du Königin im kristallinen Gestein, mach' mich ledig von Fleisch und Bein. Danach schleudere den Wurm in die Flammen, dann wird sich der Fels öffnen und ich komme, dich zur Hochzeit zu führen, die uns selig und ewig vereinigen soll.“ Der verblendete junge Mann vergaß seine Braut Wolfindis. Die wartete an diesem Tage vergeblich auf den Besuch des Bräutigams. Als aber ein entsandter Bote mit der Nachricht zurückkam, der Junker sei ausgeritten, und niemand wisse wohin, und als die Sonne bereits unterging, da erfasste plötzlich seltsame Angst Wolfindis’ Herz. Sie hielt es nicht mehr aus in der Burg. Zu Ross stürmte sie, von einem treuen Knecht begleitet, in den nahe gelegenen Wald und kam tatsächlich an den Ort, wo der Junker von Bärndorf sich höllischem Zauber hingab. Schon hatte er den Zauberspruch zweimal vollendet, als ihn der Angstschrei seiner Braut aus der Trance riss. In demselben Augenblick fuhr mit Donnergroll ein Feuer durch den Wald, ein Schrei drang aus der Tiefe. Die verführerische Zauberin lag glimmend als Schlange, ausgestreckt durch den ganzen Wald. Zusammen geschmolzen lag der Palast der Teufelin, und in zackiges Gestein verwandelt der Wirbelstrang ihres Zaubertiers, vom Dreisesselberg herauf bis an die Grenze des Waldgebirges.

Der Pfahl verschwindet...
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann für den Pfahl eine lange, unruhige Zeit: Der harte Quarz wurde seither als besonders tragfähiger Schotter für den Straßenbau abgebaut. Zahlreiche Steinbrüche entstanden und viele malerische Felspartien fielen dem Abbau zum Opfer. Heute sind nur mehr wenige Quarzbrüche entlang des Pfahls in Betrieb. In diesen wird neben Straßenbaumaterial bevorzugt reiner Quarz für die Herstellung von Silizium gewonnen. Silizium wird vor allem im High-Tech-Bereich zur Herstellung von Computerchips und Solarmodulen verwendet. Leider vermag der Mensch in kürzester Zeit, was die natürliche Erosion in Jahrmillionen nicht zuwege gebracht hat. Der Pfahl ist ein einzigartiges geologisches Phänomen auf der Erde. Sein heutiger Rest müsste unbedingt erhalten bleiben. Wird er zerstört, fehlt uns ein Kapitel im Buch der Erdgeschichte.

Goldrausch im Alten Gebirge
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, einen Goldschatz zu finden und dadurch reich zu werden. Unbekannte Schätze gibt es nur noch wenige, natürliche Goldvorkommen dagegen doch relativ häufig. Die meisten Menschen werden dabei jedoch eher an Kalifornien, den Yukon in Alaska oder die Goldminen in Südafrika bzw. Brasilien denken. Höchstens das Rheingold ist ihnen ein Begriff. Dass aber auch anderswo in Mitteleuropa Gold zu finden ist, ist nahezu in Vergessenheit geraten. Auch der Bayerische Wald und seine angrenzenden Gebiete in Böhmen und der Oberpfalz erlebten vor einigen Jahrhunderten ihren Goldrausch, der heute noch in der Erinnerung erhalten ist. Gold ist überall auf der Welt vorhanden. Ob auf den Kontinenten, im Meer und in uns selbst. Die Konzentrationen des Goldes ist jedoch recht unterschiedlich. Normalerweise findet man Gold in der 16 km starken oberen Erdkruste mit einer Konzentration von 0,005 g/to. Um nur 10 Gramm Gold zu gewinnen, müsste man also im Durchschnitt 2000 Tonnen Gestein bewegen. An manchen Stellen der Erde kommt Gold jedoch häufiger vor. Wie bereits erwähnt, wurde vor ca. 300 Millionen Jahren die kompakte Gesteinsmasse des bayerisch-böhmischen Grundgebirges in Schollen zerbrochen. Die Spalten wurden von heißen Lösungen aus dem Inneren der Erde ausgefüllt. Diese Spaltenfüllungen, Quarzgänge genannt, enthalten das Gold in so hoher Konzentration, dass in Böhmen bereits in der Bronzezeit mit einfachsten Gewinnungsmethoden erfolgreich Gold gewonnen werden konnte. Der „Goldrausch“ im Bayerischen Wald und Böhmerwald reichte bis in das Mittelalter hinein. In den darauf folgenden Jahrhunderten verlor die Goldgewinnung immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung und ist heute im einstigen Goldland Bayerischer Wald und Böhmerwald völlig zum Erliegen gekommen. Wenn Stollen in den Berg getrieben wurden, konnte das im Quarzgestein „eingewachsene“ Gold direkt abgebaut werden. Eine primäre Lagerstätte war erschlossen. Gold kann jedoch auch in Form von Seifengold vorkommen. Der Begriff Seife ist aus dem arabischen Wort „sife“ entstanden, das soviel wie „tropfendes Wasser“ bedeutet. Im Laufe der vergangenen Jahrmillionen nagte der Zahn der Zeit an den Gold führenden Erzgängen. Durch Wind und Wetter verwittern die Gesteine und die Goldkörner lösen sich dadurch aus ihrem ursprünglichen Gesteinsverband. Vom Regen werden sie zusammen mit anderen Mineralkörnern in Rinnsale gespült und landen schließlich in Bächen und Flüssen. Überall dort, wo die Fließgeschwindigkeit des Wassers nachlässt, so zB. in engen Flusskurven, lagern sich die schweren Goldkörner am Bachbett ab. Eine sekundäre Lagerstätte hat sich gebildet. Nur in den allerseltensten Fällen gelingt es jedoch, dort größere Goldkörner oder gar Gold-Nuggets zu finden. Die Goldflitter sind vielmehr so winzig, dass sie mit bloßem Auge im Sand und Schlamm nicht zu erkennen sind. Deshalb muss der Goldanteil mit aufwändigen Verfahren vom tauben Sediment getrennt werden. Zunächst wird aus dem Bachsediment das grobe Gestein abgesiebt. Es bleibt Sand zurück. Mit Hilfe einer Goldwaschpfanne gelingt es, die unterschiedlich schweren Bestandteile des Bachsandes voneinander zu trennen. Durch kreiselnde Bewegungen werden Erdkrumen und Mineralkörner mit geringem spezifischen Gewicht mit dem Wasser über den Schüsselrand gespült. Die schweren Mineralkörner mit dem Gold bleiben am Boden liegen. Die winzig kleinen Goldkörnchen blitzen im Sonnenlicht auf und können mittels einer Pinzette ausgelesen werden. Beim wirtschaftlich rentablen Goldabbau werden die Goldkörner jedoch nicht manuell ausgelesen. Hier kommen chemische Zusätze zum Einsatz. Im 19. Jahrhundert und auch schon davor war das auch heute noch z.B. in Brasilien oder Indonesien anzutreffende Quecksilber-Amalganierungs-Verfahren üblich, das Böden, Flüsse und Seen mit hochgiftigem Quecksilber verseucht, welches sich in der Nahrungskette auch noch anreichert. Bei diesem Verfahren wird das zerkleinerte, goldhaltige Erz mit Quecksilber vermischt, welches das Gold selektiv herauslöst. Das Quecksilber wird dann verdampft und Gold bleibt zurück. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Amalganierungsverfahren nach und nach durch die umweltfreundlichere (!??) Auslaugung von Gold mittels Zyanid abgelöst. Gold und Silber bilden lösliche Komplexe mit Zyanid (HCN), währenddessen Quarz, Eisenoxide und andere Begleitminerale nicht angegriffen werden. Gold kann aus der Lösung gewonnen werden, indem man Zink zugibt. Dabei bilden sich lösliche Zinkzyanide, während Gold und Silber ausfällt. Zyanid kann zwar relativ leicht entsorgt werden, ist jedoch stark giftig. Es blockiert die Sauerstoffaufnahme im Blut und führt so zum Erstickungstod. Aus diesem Grunde ist die Goldgewinnung mit Zyanid sehr umstritten. Wirtschaftliche Alternativen gibt es jedoch bisher nicht.

Sichtbare „Zeugen“ der Goldsuche im Bayerischen Wald
Seifenhügel - Abfallhaufen mittelalterlicher Goldgräber Wandert man entlang der Gold führenden Bäche, fallen an bestimmten Stellen kleine Hügel ins Auge, deren Formen nicht in die ansonsten sanft geschwungene Landschaft passen. Es handelt sich dabei um Goldseifenhügel, im Volksmund Grüben genannt. Bei jedem Siebvorgang zu Beginn der Goldwaschprozedur wurde der grobkörnige Kies an den Bachseiten aufgeworfen. Im Laufe vieler Goldwäschergenerationen wurden Hunderte von Tonnen Gesteinsmaterial bewegt und zu den markanten Hügeln aufgehäuft.

Goldköpfchen und Goldmarie - Das Gold im regionalen Namensgut
Sowohl in Bayern als auch in Böhmen bezeugen heute noch Orts- oder Flurnamen vom einstigen Goldreichtum der Region. Am bekanntesten ist wohl der Namenszusatz bei Prag: die goldene Stadt. Aber auch der deutsche Name von Kaspersky Hori (Bergreichenstein), die Ortschaft Reichenberg oder der Goldbach bei Zwiesel lassen einen Bezug zur Goldgewinnung erkennen.

Ohne Quarz kein Glas
Glasmacher als Schatzsucher - Die Gewinnung: Wer durch die Wälder des Bayerischen Waldes streift, der wird häufig vor Löchern und Gruben stehen. Dabei denkt man eventuell an Bärenfallen oder Goldsucher, die hier ihre Stollen angelegt haben. Nein, nach Gold wurde hier nicht gegraben, obwohl das Gestein, das hier abgebaut worden ist, für die armen Bayerwäldler wahrhaftig so wertvoll gewesen sein muss wie Gold. Es handelt sich hier vielmehr um alte Quarzgruben, ehemalige Abbaustellen, an denen der Rohstoff für die weit verbreitete Glasindustrie im Bayerischen Wald gewonnen wurde. Mehrere Jahrhunderte lang wurde das Gestein abgebaut und vor Ort in unzähligen Glashütten weiter verarbeitet. Dort entstanden Kunstobjekte, Butzenscheiben, Trink- und Flaschengläser und vieles mehr. Doch in früheren Zeiten war es ziemlich schwierig, Glas herzustellen. Bereits winzig kleine Unreinheiten im Gestein mindern nämlich die Qualität des Produktes ganz erheblich. Quarz kommt in der Natur nur sehr selten als Reinprodukt vor, oftmals enthält er Spuren von Eisen. Und dies färbt das daraus geschmolzene Glas grün. So waren in den vergangenen Jahrhunderten also viele Glasgegenstände in grüner Farbe, da es damals nicht möglich war, das Eisen aus dem Quarz zu entfernen. Heute wird „glasklares“ Glas benötigt. Grüne Fensterscheiben oder Brillengläser würden sicher nur sehr wenig Nachfrage finden. Daher wird der Rohstoff für die Glasindustrie des Bayerischen Waldes heute nördlich des Bayerischen Waldes in der Oberpfalz gewonnen, wo der Quarz eine wesentlich bessere Verarbeitungsqualität besitzt.

Die Entstehung von Quarz
Quarz ist chemisch gesehen Siliziumdioxid (Si02). Trotz seiner einfachen Formel bildet der Quarz, je nach Entstehungsbedingungen und Beimengungen, außerordentlich verschiedengestaltige Formen. Am bekanntesten ist sicherlich der Bergkristall, aber auch Rosenquarz ist Manchem ein Begriff. Im Bayerischen Wald findet man an bestimmten Stellen solche Ausprägungen des Quarzes. Viel häufiger sind dort jedoch eher unscheinbare Gesteine, die Quarz enthalten. Eines davon ist der Pegmatit. Er bildet sich aus leicht flüchtigen Gesteinsrestschmelzen, die übrig bleiben, wenn ein Granitkörper auf rund 500°C abkühlt und dabei weitgehend auskristallisiert wird. In diesen Restschmelzen, die oft in die Spalten eindringen, herrschen Bedingungen, die zum Riesenwuchs von Kristallen führen. Der sehr grobkörnig kristallisierte Quarz kann daher mechanisch sehr einfach von anderen Mineralien getrennt werden, die ebenfalls sehr große Kristalle ausbilden und daher von Mineraliensuchern sehr begehrt sind.

Vom Quarzbrocken zum Trinkglas - Die Verarbeitung
Glasblasen: Das wichtigste Arbeitsmittel, das flüssige Rohglas, wurde bereits am Vortag hergestellt. Dabei wurden die Rohstoffe auf fast 1500 °C erhitzt und auf diese Art miteinander verschmolzen. Die Schmelze hat am Morgen des nächsten Tages genau die richtige Temperatur für die Weiterverarbeitung. Doch was ist eigentlich in dieser Schmelze enthalten? Zunächst einmal muss der Quarz, der als Sand oder Gesteinsbrocken in die Glashütte kommt, zerkleinert werden. Dies geschieht natürlich heute durch vollautomatische Maschinen. Früher jedoch benutzte man dazu so genannte Quarzpocher. Dabei stampften große, durch Wasserkraft bewegte Holzhämmer (vgl. Hammerwerke!) das Quarzgestein zu Staub. Dem staubfeinen Quarz werden je nach Endprodukt weitere Zutaten zugesetzt. Kaliumkarbonat und Soda gehören dabei in jedes Gemenge. Für hochglänzendes Bleikristall wird noch Bleioxid, für normale Trinkgläser Kalk zugesetzt. In früherer Zeit wurde das für das Gemenge benötigte Kalium aus Pottasche gewonnen. Hierfür wurde Holz zu Asche verbrannt, welche einen mehr oder weniger großen Anteil von Kalium besitzt (je nach Baumart). In großen Töpfen, Pötte genannt, wurde diese Asche für die Glasschmelze aufbereitet; daher der Name „Pottasche“. Durch die Zugabe von Pottasche konnte der Schmelzpunkt der Glasschmelze herabgesetzt werden. Dies war wichtig, da die notwendigen hohen Temperaturen, welche für die Glasschmelze notwendig sind, mit den damaligen Brennmaterialien nicht erreicht werden konnten. Auch heute noch wird dem Gemenge Pottasche zugesetzt, um Energie zu sparen. Allerdings muss kein Baum mehr für die Herstellung sein Leben lassen, da Pottasche nun künstlich hergestellt werden kann.

Geschichte
Weißblaue Rauten Wenn der bayerische Ministerpräsident mit stolz geschwellter Brust an den weißblauen Flaggen des Freistaats vorbei marschiert, würdigt er unbewusst zugleich ein einst im Bayerischen Wald reich begütertes Adelsgeschlecht: die Grafen von Bogen. Diese waren über Jahrhunderte hinweg die bedeutendsten weltlichen Machthaber in Ostbayern. Als 1242 der ausgedehnte Besitz der Grafen von Bogen an die Wittelsbacher Herzöge fiel, erbten diese nicht nur weite Teile des Bayerischen Waldes und die gräflichen Güter an der Donau, sondern führten seither auch die weißblauen Rauten des Grafengeschlechts in ihrem Wappen, die über diesen „Umweg“ bis heute lebendig geblieben sind.

Erschließung durch Mönche
Nachdem sich Römer und Alemannen doch weitgehend entlang des Donautals, also mehr außerhalb des Waldes aufgehalten hatten, entstand im frühen Mittelalter unter den Agilolfinger- Herzögen eine „bajuwarische Klosterlandschaft“: Über 50 Klöster wirkten als geistliche und kulturelle Zentren des Landes, darunter auch die später prachtvoll barockisierten Anlagen an der Donau.  Zu den Aufgaben der Klöster in Bayern gehörte es, durch Rodung der Wälder Neuland zu erschließen. Die Mönche griffen dabei selbst zur Axt. Ein Deckenfresko in der Barock-Kirche von Rinchnach zeigt den hl. Gunther als Rodungsmönch. Neben den Klöstern Metten und Niederalteich spielte vor allem das 739 von Bonifatius gegründete Bistum Passau bei der Besiedlung des Bayerischen Waldes eine wichtige Rolle. Man nehme nur den Ortsnamen Bischofsmais: eine Rodung („Mais“), die der Bischof von Passau anlegen ließ.

Dunkler, sündhafter Wald
Trotz aller „Erschließungserfolge“ mieden die Menschen Jahrhunderte lang den „Nortwalt“. Sie siedelten an seinen Rändern, in den vom Klima begünstigten Flusstälern und Niederungen sowie im hügeligen Vorland. Im Mittelalter verkörperte dieser Wald einerseits die Anarchie der Materie, andererseits wurde er als letzte Bastion heidnischer Religionen betrachtet. Für Dante, den „allerchristlichsten“ Dichter, war der „dunkle Wald“ eine Allegorie für die christliche Schuld, für Sündhaftigkeit, Irrtum und Entfremdung von Gott. Der Wald, das war das Gegenbild höfischer und städtischer Gesittung. Die undurchdringliche Dichte des Waldes diente als Flucht- wie als Aufenthaltsort der Gesetzlosen und Entrechteten, aber auch Eremiten, wie der sagenumwobene Engelmari, hausten im Nirgendwo zwischen Recht und Ordnung. Nicht grundlos verlegte Friedrich Schiller den Schauplatz seines Dramas „Die Räuber“ in den Böhmerwald. Unter diesem Namen fasste man übrigens lange Zeit auch weite Teile des Bayerischen Waldes zusammen. Zumeist waren es „nachgeborene“ Bauernsöhne und Bauerntöchter, die das Wagnis eingingen, in „den Wald“ zu ziehen, um ihn urbar zu machen. Freiwillig wollte keiner in das Waldgebirge, zur Not halfen die Landesherren mit etlichen Steuerprivilegien nach, wovon der Ortsname „Freyung“ noch heute kündet. Dieser unwirtliche Landstrich hatte einen schlechten Ruf. So sagte der Abt von Niederalteich, als er im 16. Jahrhundert um die Neubesetzung der Zwieseler Pfarrstelle gebeten wurde: „Was soll ein Pfarrer bei Euch Zwieselern thuen? Er muss nur Tannenzapfen essen.“ Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Joseph Hazzi, ein bayerischer Beamter, der durch das Waldgebirge reiste, von den Zuständen entsetzt: „Die kleinen Dörfer mit ihren kleinen hölzernen Häusern, die ganz mit Holz umringt und mit ziemlich schweren Schindeldächern belegt sind, bieten einen widerlichen Anblick dar. Alles ist mit Rindsblut schwarz angestrichen, ohne Meubeln, dazu voll Schmutz. Und dann erst der Stall! Man weiß nicht, wer hier wohl schlechter wohnt, das Vieh oder die Menschen!“

Filze und Schachten
Typisch für den „inneren“ Bayerischen Wald sind auch die Hochmoore, von den Einheimischen Filze genannt. Das Latschenfilz und das Zwieselter Filz gehören zu größten Sattelhochmoorkomplexen Deutschlands. Meterhoch sind die Torfschichten. Im Moor versinken kann man aber nicht, denn ein lebendiges, kaum berührtes Hochmoor wächst langsam: jedes Jahr etwa einen Millimeter. Auf den nährstoffarmen Böden gedeihen nur wenige Pflanzen: leuchtendes Wollgras, Beeren tragende Zwergsträucher, verschiedene Torfmoosarten, Latschen und Moorbirken. Ab 1100 Meter Höhe trifft man auf die Schachten, die Almen des Bayerischen Waldes. Noch bis in die fünfziger Jahre lebten die Hirten von Ende April bis September mit ihren Jungrindern und Ochsen auf diesen Hochweiden; die bizarr geformten Buchen und Bergahorne spendeten ihnen Schatten. Heute finden Wanderer hier Sonne, Ruhe und herrliche Aussicht. Nur die wenigsten Wanderer hingegen werden den Luchs zu Gesicht bekommen, der seit etwa 1980 aus den tschechischen Wäldern wieder eingewandert ist. Bären und Wölfe kann man zwar besser beobachten, allerdings nur noch im Freigehege des Nationalparks. Dafür kreuzen mit etwas Glück Rotwild, ein Wildschwein oder gar ein Auerhahn den Weg. Viele Vogelarten, wie Schwarzstorch, Ringdrossel, Haselhuhn und Habichtskauz, brüten ungestört in der freien Natur.

Rückläufige Holzwirtschaft
Bis vor hundert Jahren war die Holzwirtschaft der bedeutendste Erwerbszweig im Bayerischen Wald. Auf Pferdeschlitten und einem ausgeklügelten System von Triftbächen und -kanälen erreichte das Holz die Flüsse Regen und Ilz, auf denen die Stämme bis nach Regensburg oder Passau geflößt wurden. Doch schon seit einigen Jahrzehnten ist die Ertragslage der ostbayerischen Holzindustrie unbefriedigend. Billige Importhölzer, Kunststoffe, Beton und Stahl eroberten die Märkte. Stagnierende Holzpreise, steigende Löhne und Materialkosten haben zudem zu Monokulturen geführt, da sich mit der schnell wachsenden Fichte weit mehr Profit erwirtschaften lässt als mit der Tanne oder den empfindlichen Laubbäumen.

Alltagsleben und Brauchtum
Das Alltagsleben im Bayerischen Wald hat sich inzwischen den Zeitströmungen angepasst: Satellitenschüsseln und Internet haben Einzug gehalten - bis ins letzte Dorf. Dennoch, die „Waidler“ dokumentieren nicht nur im Museumsdorf Bayerischer Wald eigenständigen Charakter, sondern auch in dem einen oder anderen Dorf. Beispielsweise im Weiler Gerholling im Lallinger Winkel. Hier scheint die Zeit wirklich ein wenig stehen geblieben zu sein. In einigen wenigen Ecken hat auch der Brauch der Totenbretter überlebt. Einst ruhte der Tote bis zu seinem Begräbnis überall im Bayerischen Wald auf einem Brett, bis der in Tuch gehüllte Leichnam darauf zu Grabe getragen wurde. Noch heute ist relativ oft der Ausspruch zu hören: „Der is a über’s Toudnbredl grutscht“. Als Mahnung an die Lebenden stellte man das Totenbrett dann zwischen zwei Bäumen oder neben einer Kapelle auf. Mit der Zeit wird es morsch, die Farbe verblasst und der Schriftzug ist kaum mehr zu entziffern. Doch so lange ein Brett steht, ist die Seele des Verstorbenen noch gegenwärtig. Erst wenn es endgültig vermodert ist, so der Volksglaube, kann der Tote in den Himmel aufsteigen. Es gibt aber einen Trick, diesen Prozess etwas zu beschleunigen: Man nimmt besonders weiches Holz. Durch die lange Zeit abgeschiedene Lage des Bayerischen Waldes sind zahlreiche religiöse Bräuche noch tief im Alltag der katholischen Bevölkerung verwurzelt. Viele Feste konzentrieren sich auf Pfingsten. So eilen am Pfingstsonntag die Gläubigen, die eine fast zwei Zentner schwere, mit Wachs umhüllte Holzstange zwei Tage lang mit sich getragen haben, zur Kerzenwallfahrt auf den Bogenberg, ziehen die Bewohner von Sankt Englmar auf der Suche nach ihrem Ortspatron am Pfingstmontag durch die Wälder, um die lebensgroße Holzstatue des Heiligen in ihre Pfarrkirche zurück zu führen. Besonders farbenprächtig ist der Kötztinger Pfingstritt. Über 800 festlich gekleidete Reiter versammeln sich mit ihren Pferden, denen sie zur Feier des Tages Blumen in Mähne und Schweif geflochten und eine weiße Haube über Ohren und Stirn gezogen haben. Ziel ist die kleine St. Nikolauskirche im sieben Kilometer entfernten Steinbühl, wohin der Sage zufolge der Kötztinger Pfarrer im Jahr 1412 gerufen worden war, um einem Sterbenden in dessen letzten Stunde beizustehen. Ein paar Bauernburschen fanden sich einst, um ihren Pfarrer durch die dunkle Nacht zu begleiten, und der Kötztinger Pfingstritt, die „Wallfahrt der Hufe“, war geboren.

 

Quellen: Text: wikipedia.de, HB Bildatlas „Bayerischer Wald“,
Merian „Bayerischer Wald“ 1 und 2, Merian: „Bayern“, euregio-wald.com,
Diercke Geographiebuch 5. Klasse Gymn. Bayern, eigener Text.

Bilder: HB Bildatlas „Bayerischer Wald“,
Merian „Bayerischer Wald“ 1 und 2, Merian: „Bayern“, Diercke Weltatlas,
Gerlinde Blahak, eigene Bilder